Meine größte Sorge im Moment ist ja, dass das Schuhbandl unterwegs aufgeht. Weil ich mich mit meinem operierten Kreuz nicht bücken könnte, um es wieder zuzubinden. Nicht auszudenken, wenn ich drüberstolpern täte. Okay, die steigenden Preise beunruhigen mich natürlich auch. Und der eventuelle Blackout. (Was? Das Schwarz geht uns nun ebenfalls aus? Womöglich die Druckerschwärze genauso? Muss die "Wiener Zeitung" demnach bald komplett in Rot gedruckt werden?) Auf meinem Becherl stünde freilich trotzdem "Schuhe ohne Schuhbandln". Auf welchem Becherl? Tja, am ehesten wohl auf dem ersten. Oder doch erst auf dem zweiten?

Meine Schwester (schon wieder die) war jedenfalls auf der Mariahilfer Straße Besorgungen machen (Besorgungen, wohlgemerkt, nicht: sich Sorgen machen). Dabei ist ihr ein Bettler "mit ziemlich vü Metall im G’sicht" und gleich fünf Bechern aufgefallen. Na bumm! Sind die Zeiten dermaßen schlecht, dass die Bedürftigen bereits für fünf betteln müssen? Oder war das überhaupt eine multiple Persönlichkeit? Was ist also auf diesen Bechern gestanden? Klaus, Thomas, Günther, Walter und Willi? Gar nix. Beschriftet waren sie indirekt. Auf extra Taferln. Aha, offenbar die einzelnen Budgettöpfe. (Ohne Deckel, sonst können die Passanten schließlich nichts reinwerfen.) "Essen", "Bier" (und wenn ihm da echt wer eins reinschüttet?), "Kiffen" . . . Moment: Ist das nicht illegal? Macht man sich folglich strafbar, wenn man dort einen Euro reinpurzeln lässt? Wurscht. Nein, Joint. Außerdem kann man ja "Kaffee" gelesen haben.

Und wie endet die Geschichte? Mit "Reisen" und "Disneyland" und damit, dass meine Schwester einen Fünf-Euro-Schein in den allerersten Becher gestopft und den Obdachlosen eindringlich ermahnt hat: "Oba nur fürs Essen!", woraufhin beide gelacht haben sollen, als wären sie bekifft. Äh, warum muss das ein Obdachloser gewesen sein? Weil "Miete" und "Heizung" gefehlt haben. (Blöde Frage.) Hm. Disneyland. In Paris? Dem soll gefälligst der Prater reichen, hallo? Andererseits: Wer würde nicht gern als Weltflüchtling in Disneyland Asyl beantragen und im Dornröschenschloss "die Krise" verschlafen?

Nicht, dass ich nie was spenden würde. Halt lieber Sachen. Anziehsachen. Grad erst hab ich meinen Kasten ausgemistet. Um wieder Platz zu haben. Für was Neues. Manche Leute haben Gewand in ihren Schränken, das haben sie kein einziges Mal getragen. Ich hab welches gefunden, das hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ob ich diese total zerknitterten Leiberln nicht vielleicht gleich wegschmeiße? In den Restmüll damit! Denn bügeln werde ich sie definitiv nicht. Meinen wertvollen Strom investieren. Aber zum Teil ist doch sogar noch das Etikett dran, bitte! Gut, das käme eh in den Altpapiercontainer. Den erreiche ich wenigstens zu Fuß und der Heinz muss nicht das teure Benzin verfahren, um irgendwas zur Caritas zu chauffieren. ("Wie Benzin eigentlich?" - "Aan Liter.") Apropos. Wir müssen noch g’schwind den Tank leer kriegen, damit es sich auszahlt, noch einmal vollzutanken, bevor am Samstag die CO2-Steuer kommt (4 Euro mehr pro Tankfüllung!).

"Wohin foa ma, Heinz?" - "Am besten nach Lochau." - "In Vorarlberg?" - "Jo, wieso?" - "Verbrauch ma da net glei den ganzen Tank auf’m Hinweg?" - "Super, oder? Kömma zweimal sparen."