Es ist eine österreichische Eigenheit, dass der Bundespräsident nicht nur im Protokoll, sondern auch in den Medien mit dem Akronym HBP versehen wird: HBP - Herr Bundespräsident! Das klingt hochtrabend, ja vielleicht sogar unterwürfig, ist aber gut gemeint.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Daneben gibt es auch eine Erweiterung von HBP zu UHBP: Unser Herr Bundespräsident. Dieses Akronym hatte ursprünglich einen ironischen Beigeschmack. Es stammt aus Zeiten der "Waldheim-Affäre" und war von Gegnern Kurt Waldheims geprägt worden: Das soll "unser" Präsident sein?

Es ist eine Eigentümlichkeit der deutschen Sprache, dass besitzanzeigende Fürwörter sowohl einen positiven als auch einen negativen Klang haben können. "Das ist meine Tochter!" kann entweder Lob oder Kritik ausdrücken, wobei die Intonation eine Rolle spielt. Am Tonfall erkennen wir, was gemeint ist.

Bei Waldheims Nachfolgern blieb die Abkürzung in Gebrauch, war aber nicht mehr ironisch gemeint: bei Thomas Klestil, Heinz Fischer und Alexander Van der Bellen.

Ein Faible für derartige Abkürzungen hatte der legendäre "Kurier"-Redakteur Herbert Hufnagl. In seiner Kolumne "Kopfstücke", die ich täglich mit großem Vergnügen las, popularisierte er ein weiteres Kürzel: ULP. Gemeint war: "Unsere liebe Post." Inhaltlich ging es um diverse Fehlleistungen der Post, die damals noch ein Monopol hatte, hier war also Ironie angesagt. Wenn Briefe zu spät ankamen oder falsch zugestellt wurden, Postler ihre Kunden auf drastische Weise brüskierten, kam das Kürzel ULP zum Zug - es war eine Art Stoßseufzer. Herbert Hufnagl kritisierte mit Vorliebe den galoppierenden Amtsschimmel, er wollte seine Leser, wie er sagte, zum Schmunzeln und Kopfschütteln bringen. Seine "Kopfstücke" erschienen sogar in Buchform und auf einer CD, seine Lesungen wurden mit Begeisterung aufgenommen.

Wenn Akronyme aus den Anfangsbuchstaben eines Namens zusammengesetzt sind, werden sie immer mit Endbetonung ausgesprochen. Dazu gehört auch das Kürzel des wiedergewählten Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen: VDB, oft auch VdB. Solche Abkürzungen sind praktisch, sie können bei Wahlveranstaltungen auf Kartons in die Höhe gehalten werden - und sie stiften Identität. Van der Bellen war der einzige Kandidat, der auch mit drei Buchstaben einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.

Ähnlich bekannt war das Kürzel HC des FPÖ-Politikers Heinz-Christian Strache, es wurde mit großem Werbeaufwand getrommelt. Bei der vergangenen Wiener Landtagswahl brachte er das Kürzel sogar im Namen seiner neu gegründeten Partei unter: "Team HC Strache". Er scheiterte allerdings klar an der Fünf-Prozent-Hürde und verpasste den Einzug in den Wiener Landtag und Gemeinderat - es war das Ende seiner politischen Karriere.

Mir war es unangenehm, HC zu lesen oder zu hören, wenn Strache gemeint war, denn für mich war HC immer ein anderer: der großartige Schriftsteller H. C. Artmann. Wir sagten immer "der HC" und nie "der Artmann", womit auch eine gewisse Vertrautheit zu dessen schriftstellerischem Werk zum Ausdruck kam. Dieses Kürzel entstand ganz von selbst, es war nicht von Werbestrategen erdacht.