Als meine Frau in Paris am Flughafen plötzlich husten muss, wird es mit einem Mal sehr ruhig um sie herum. Sie hatte keine ansteckende Krankheit mitgebracht, sondern einfach nur einen großen Frosch im Hals gehabt. Keine Überraschung bei der trockenen Luft hier überall. Trotzdem, das musst du erst einmal wem erklären in der Warteschlange auf den Flug nach Wien. Gar nicht einfach. Erstens hört dir sowieso keiner zu und zweitens glauben alle gleich, danke sehr, das fängt ja gut an, jetzt hustet die auch noch wie knapp vor der Intensivstation, hätte mich eventuell doch impfen lassen sollen, besonders vor einer Flugreise, eng wie Sardinen zusammengequetscht mit all den anderen Idioten. In guten Witzzeichnungen hängen solche Gedanken in Sprechblasen hoch in der Luft über den Menschen fest. Ich brauche keine Sprechblasen. Ich sehe die Gedanken auch so.
Dem Hustenreiz freilich sind solche Gedanken fremd. Der Hustenreiz will einfach nur gehustet werden. Ein altbekanntes Problem. Deswegen geht der Krobath nur noch mit Kräuterzuckerln in die Oper. Aber ob er deshalb auch mit Kräuterzuckerln nach Paris geflogen ist? Sorry, daheim vergessen. Wenigstens hatte ich diesmal die Herztabletten mit. Im Gegensatz zu letztens in Berlin.
Es ist eine berufliche Flugreise nach Paris gewesen. Aber auch berufliche Flugreisen sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Da kommt zum schlechten Gewissen gleich auch noch die Gereiztheit dazu. Streik, Stress, Stau, dazwischen dauernd Schlange stehen und einer hustet immer. Wenigstens hat keiner was gesagt. Nur finster schauen tun sie alle. Besonders das fesche Pärchen vor uns fühlt sich stark beeinträchtigt in seinem Flugvergnügen. Ich rate, bei Angst vor der Ansteckung eine Gesichtsmaske zu tragen. Das hilft verlässlich, meine ich. Sie sagen nichts, starren nur weiter finster in Richtung meiner Frau. Irgendwann tippt er hektisch auf seinem Handy rum. Wen will er rufen? Die Flughafenpolizei? Den Hustinettenbär? Man weiß es nicht. Endlich setzt sich die Reihe in Bewegung. Meine Frau hört nicht auf zu husten. Dafür kommt der Zwei-Meter-Mann.
Der Zwei-Meter-Mann ist glatzköpfig und tätowiert und so riesig und über und über mit Muskeln bepackt, dass sich jeder denkt, oh Gott, hoffentlich sitzt der nicht neben mir. Guter Witz. Der Zwei-Meter-Mann quetscht sich zwischen uns beiden in den Sitz. Seine Muskeln drücken fest an unsere Fettgewebe. Für die nächsten Stunden sind wir nicht einmal Sardinen mehr. Meiner Frau bleibt das Husten im Halse stecken. Nämlich etwas Gutes hat die Sache doch.