Weil in Kiew das Licht ausgeht, soll ich zwölf große Flaschen Mineralwasser nach Hause schleppen. Das hat mir mein schlechtes Gewissen ins Ohr geflüstert, weil es meinte, jetzt, wenn ich schon einmal im Supermarkt bin, kann ich mich doch gleich auch auf den Blackout vorbereiten. Bei uns am Land hat sich ein vorausschauender Hotelbesitzer schon vor zwanzig Jahren einen Bunker in den Berg graben lassen. Damals galt Putin noch als guter Freund der österreichischen Gasbeheizungsindustrie. Der Hotelbesitzer saß trotzdem lieber im Bunker als an der frischen Luft. Im Ort hat man gemeint, da sieht man, was passiert, wenn der Mensch zu viel Geld verdient mit den Touristen. Der Hotelbesitzer hat sich nicht gerade beliebt gemacht mit seinem unterirdischen Rückzugsort. Ist ihm letztendlich aber auch egal gewesen. Wer vom Weltuntergang träumt, der denkt in anderen Kategorien als der einfache Dorfbewohner.

Nun also auch ich. Vorbereitung auf die Selbstversorgung. Das kleinste Problem werden die Nudeln sein. Wer derart italophil gestrickt ist wie wir, der hat immer Nudeln daheim. Nudeln und die guten Gewürze vom letzten Urlaub sind kein Problem. Der Rest eventuell schon. Weil ich immer gleich alles aufessen muss, sagt meine Frau. Und mit dem Campingkocher will sie mich sowieso nicht hantieren sehen. Da kommt zum Blackout sofort auch noch die Brandkatastrophe dazu. Und nein, sie wird nicht mit mir auf einem kleinen Segelboot in die Südsee flüchten. Das macht keinen Sinn, sagt sie. Besser Mineralwasser schleppen. Und Hühner auf der Dachterrasse halten. Sofern man eine Dachterrasse hat. Und gerne Eier isst. Wir haben keine Dachterrasse. Aber ansonsten ist die Idee recht gut.

Soll ich prickelndes Mineralwasser wählen, weil das gut zum gehorteten Weißwein passen wird, wenn in der Welt kein Licht mehr leuchtet, oder doch lieber stilles Wasser, weil man damit fein Nudeln kochen kann, sobald die Frau die Furcht vor der Feuersbrunst verliert? Wo bitte kriege ich auf die Schnelle eine Taschenlampe her? Was tun, wenn die Nachbarn an der Tür kratzen, weil sie meine guten Wiener Schnitzel riechen werden? Muss ich mir jetzt auch noch ein Schrotgewehr besorgen? Oder reicht der alte Ausweis vom Bundesheer?

Wer mitten im Billa die Weltuntergangspanik kriegt, der muss schleunigst schauen, dass er nach Hause kommt. Gemütlich in eine Decke gekuschelt auf der Wohnzimmercouch schaut die Sache gleich ganz anders aus. Das Mineralwasser habe ich stehen gelassen. Stattdessen wurden Nüsse und Kartoffelchips gekauft. Die kann man gut beim Fernsehen knabbern. Aber auch, falls zwischendurch das Licht ausgeht.