Alle hassen Klimaprotestler, wenn sie sich auf die Autobahn kleben. Und wenn sie sich an Bilder picken, hasst man sie auch. Was sollen sie denn tun? Sich auf Kohlendioxid-Moleküle kleben?

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Sind diese Formen des Protests noch zulässig, fragen sich jetzt Leute, die seit 40 Jahren intensiv Auto und Flugzeug nutzen und "sich nichts verbieten" lassen wollen.

Interessante Frage, während wir eine globale Erwärmung vorantreiben, in der es vielleicht noch ein paar ausgesuchte Bakteriensorten angenehm finden, die menschliche Spezies aber - samt ihren Lebensgrundlagen (Getreidewachstum zum Beispiel) - nicht mehr.

Trotzdem, sagen der Volksmund und die empörten Individualmobilitätsfetischisten, kann man doch nicht den Klimt mit Öl beschmieren. Naja, erstens ist dem Klimt nichts passiert. Denn der ist einerseits schon tot und andererseits war das von ihm geschaffene Bild hinter einer Glasscheibe. Zweitens: Wenn kein Öl, was dann? Tomatensuppe und Erdäpfelpüree waren ja auch nicht richtig. Bitte um Vorschläge, welche Substanzen angemessen wären. Und drittens: Wenn kein Klimt, wer dann? Ist Klimt zu wenig kitschig? Braucht es einen Hundertwasser oder einen Attersee dazu? Oder ist er im Gegenteil zu gegenständlich und nur die Werke von Arnulf Rainer (Selbstportrait, übermalt mit Linseneintopf) oder des Hermann "der Steuerzahler" Nitsch sollten anprotestiert werden? Bleibt nur die Frage, ob man dann den Unterschied erkennt zu vorher, wenn mal eine Ladung Bolognese auf einer von ihm angekunsteten Leinwand landen. So gesehen kann man auch noch aus einem Ernst Fuchs einen abstrakten Maler machen, nach dem Motto: Kitsch - Platsch - Nitsch! Aber bitte nicht dem André Heller verraten.

Diese Form des Protestes sei ja sinnlos, spricht der Volksmund weiter. Aha und warum? Weil man sowieso schon drauf g’schissen hat und heimlich beschlossen, den eigenen Kindern einen unbelebbaren Planeten zu hinter lassen? Wenn ja: Wo kann man diesen Beschluss nachlesen? Und was gab es dazu zu Essen? Tomatensuppe?

Oder ist es sinnlos, weil es am Ziel vorbei geht und nicht die Themen in den Vordergrund bringt. Gut, das dürfte aber wohl die Kunst und die Künstler am allerwenigsten stören, schließlich gibt es nichts Sinnloseres als Kunst. Noch dazu Kunst, die sich ständig in ihrer Diskurs Spirale um sich selbst dreht, um am Ende aus den akademischen Zirkelschlüssen einen Mehrwert zu generieren, den der Galerist dann aufs Preisschild schreiben kann.

Denn dann ist Kunst natürlich systemrelevant: als Wertanlage. 104,6 Millionen Dollar kann so Birkenwald vom Klimt schon bringen. Den kann man sich dann zuhause anschauen, während draußen die echten Wälder in Flammen aufgehen.

Fragt sich nur, wo die in Kunst eingelegten Dollars verdient wurden? Vielleicht in der Pedro- Gas- oder Auto-Industrie. Oder mit Vergnügen (kurz: OMV)? Vielleicht mit Freunden aus Russla... egal, man darf auf keinen Fall, die Kunst aus dem behagliche bürgerlichen Oberstübchen entfernen. Kunst steigt im Wert, passt übers Sofa, zum eigenen Lifestyle und ins Portfolio. Oder wie hat es Friedrich Dürrenmatt gesagt? "Nur Stümpern ist die Kunst heilig."

Da kann man auch gerne jetzt ein Ei drüber schlagen.