Irene Prugger, geboren 1959, Schriftstellerin und freie Journalistin, lebt in Mieming, Tirol.

Irene Prugger, geboren 1959, Schriftstellerin und freie Journalistin, lebt in Mieming, Tirol.

"Soll ich mir von 20-Jährigen die Welt erklären lassen?" Die Frage stand dem Passanten bei einer Kundgebung von Klima-Aktivistinnen auf die Stirn geschrieben.

Die jungen Frauen waren nicht auf der Straße angeklebt und auch nicht mit Tomatensuppe bewaffnet, sie hielten Transparente hoch und verteilten Info-Blätter mit kritischen Analysen über die Ergebnisse der Weltklimakonferenz. Der Mann war verärgert, weil er schon wieder auf der Straße "mit dem leidigen Thema" belästigt wurde. Ach, diese Jugend! Sie sollten lieber studieren statt demonstrieren, riet er. Wahrscheinlich hatte er sein Studium an der Universität des Lebens absolviert und bereits nach wenigen Semestern abgeschlossen, weil er schon alles wusste.

Einen Abschluss in alternativer Klimatologie besaß er vermutlich auch, denn er verkündete, die wissenschaftlichen Klimamodelle taugten nichts, um lauthals kundzutun: "Es gibt keinen Klimawandel!" Das veranlasste eine ältere Dame, sich einzumischen: "Was? Es gibt keinen Klimawandel?" Worauf er sich umdrehte und sie anfuhr: "Ich sagte: Es gibt einen Klimawandel!" Froh, einer Auseinandersetzung auf offener Straße entkommen zu sein, lächelte sie und meinte: "Dann sind wir uns ja in diesem Punkt einig."

Die ältere Dame, die sich vorgenommen hatte, keine aussichtslosen, rein ideologisch geführten Diskussionen mehr zu führen, war dummerweise ich. Denn jetzt ging es rund. "Es gibt einen Klimawandel, aber er ist nicht menschengemacht!", rief der Mann. Weitere Passanten mischten sich ein, Wissenschaft gegen Bauchgefühl, Alarmismus gegen Verdrängung und Beschwichtigung, Akzeptanz gegen Ignoranz, Provokation und Gegenprovokation, aber auch ehrlich geäußerte Ängste und Sorgen. Die Hitzigkeit der Debatte erhöhte sich in kurzer Zeit um weit mehr als 1,5 Grad. Glaubenssätze wurden vorgebracht, die mit "Ich glaube, dass ..." begannen und in der Äußerung gipfelten: "Man kann ohnedies niemandem mehr glauben!"

Die Ungläubigen waren jedoch in der Minderzahl, die meisten Umstehenden waren an den Ausführungen der Klima-Aktivistinnen interessiert, die rhetorisch geschult argumentierten und komplexe Fragen fundiert und verständlich zu beantworten versuchten. Ach, diese Jugend!

Später wird man ihnen vielleicht einmal Denkmäler setzen, den vielen jungen Frauen (und ja, auch Männern), die sich an die Spitze von Bewegungen für eine lebenswerte Welt stellen und dafür oft heftige Anfeindungen einstecken müssen. Um nur einige zu nennen: Leah Namugerwa und Hilda Flavia Nakabuye (UGA), Marinel Sumook Ubaldo (PHL), Rayanne Cristine Maximo Franca (BRA), Adenike Oladosu (NGA), Asheer Kandhari (IND), Lena Schilling (AUT), Luisa Neubauer (D), Greta Thunberg (SWE), Isra Hirsi (USA), Natalia Naranjo (MEX), Anna Taylor (GB), India Logan-Riley (NZL) ...

Sich von so jungen Menschen die Welt erklären lassen? Auf alle Fälle hören, was sie zu sagen haben.