Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

"The wonder is that we can see these trees and not wonder more." (Ralph Waldo Emerson)

Manch Zeitvertreib erschließt sich einem erst im fortgeschrittenen Alter: Aus dem Fenster schauen gehört wahrscheinlich dazu, ganz sicher Opernmusik (dort bin ich selbst noch nicht angekommen), aufwendig kochen. Jedenfalls aber, und darum soll es heute gehen: Gartenarbeit und insbesondere die schöne Tätigkeit des Pflanzens von Bäumen. Dort stehe ich gerade selbst.

In meinen Kinder- und Teenagertagen konnte ich nur schwer nachvollziehen, was meine Eltern in den Garten zog. Die verbrachten (und verbringen) ihre Wochenenden und frühen Abende gerne gießend und schnippelnd oder gebückt Disteln und Klee rupfend.

Früher erschien mir das mühsam und ich konnte nicht wirklich verstehen, was sie daran so fasziniert. Im Garten spielen: ja, gerne. Aber warum das Zeug draußen nicht einfach wachsen lassen und sich selbst derweil drinnen die Zeit vertreiben? Ohne störende Wespen, schmutzige Füße und geschnittenes Gras auf verschwitzter Haut.

Inzwischen sehe ich die Sache anders und schöpfe aus dem Tun und Sein im Garten große Zufriedenheit. Die Beschäftigung fühlt sich deutlich näher am echten Leben an als die Stunden vor dem Bildschirm. An einem sehr intensiven Wochenende im November pflanzte ich fünf Obstbäume. Vier davon Setzlinge, kaum einen halben Meter hoch. Und einen stattlichen Topaz-Apfel, Geschenk eines guten Freundes, mit einer Höhe von knapp drei Metern, den wir sorgfältig in einem Obstgarten im Burgenland ausgegraben hatten.

Die Zitaten-Lexika sind voll mit Aphorismen von Menschen, die offenbar selbst Bäume gepflanzt oder zumindest gründlich darüber nachgedacht haben. Stellvertretend für die vielen sei hier Warren Buffett zitiert, der US-Investor aus Omaha, Nebraska: "Jemand sitzt im Schatten, weil ein anderer hier vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat." Seine Idee, die in abgewandelter Form immer wieder zum Ausdruck gebracht wird, ist die des Bäumepflanzens als einer selbstlosen Beschäftigung im Dienste künftiger Generationen. Andere, wie Voltaire, bezeichnen das Pflanzen von Bäumen als eine Tätigkeit, die wie keine andere unserer Hoffnung Ausdruck verleiht bzw. sogar als eine "bescheidene Form der Unsterblichkeit".

Das sind schöne Gedanken. Allein: So edel bin ich gar nicht. Wer Bäume pflanzt, kann dies auch ganz egoistisch tun, aus Freude über den Umgang mit lebendiger Materie, die eines Tages hoffentlich Früchte bringt, Luft spendet und deren Grün dem Auge Gutes tut. Dazu zwitschern die Vögel und ein Marder verrichtet sein ehrliches Geschäft in die frische Erde der Baumscheibe. Life is good.