Oh, heute (oder zumindest am Tag, an dem diese Kolumne auf Papier erscheint) ist ja gar nicht Freitag. Es ist "Friday". Black Friday. (An dem man sich wegen des großen Andrangs an der Kassa anstellt, bis man schwarz wird?) Dieser Kauf-alles-Tag. Wo die Leute wegen der vielen Sackerln keine Hand mehr für die wichtigen Dinge des Lebens frei haben: für ihre Handys. He, ich könnte mir endlich eine Kaffeemaschine besorgen. Andererseits muss ich derzeit sehr aufs Gewicht achten. Und wenn ich einfach keinen Zucker ins Schlagobers geben würde, das auf den Kaffee draufkommt? (Im Schlag ist ja ansonsten nur Luft drin.)

Aber das Problem ist doch nicht mein Gewicht. Sondern das von der Kaffeemaschine. Und so eine kann locker zweieinhalb Kilo wiegen. Oder mehr. Ohne den Kaffee. Während mir die Orthopädin maximal drei erlaubt. Als Marschgepäck. Drum kauf ich im Supermarkt bloß noch Lightprodukte. (Was? Ein Liter Cola light wiegt gleich viel wie ein Liter Cola heavy? Beschiss!) Und wenn ich mir die "Wiener Zeitung" für unterwegs einpacke, entferne ich vorher das Amtsblatt. Neuerdings lese ich sie nämlich intensiv in der Öffentlichkeit. Um die Printausgabe zu retten. "Product-Placement" nennt man das, bitte. Beim Arzt bin ich direkt ein bissl sauer, wenn ich schnell drankomme. Weil die Zeitung dann womöglich nicht lange genug auf die übrigen wartenden Patienten einwirken hat können, um sich in deren Unterbewusstes einzuschreiben, das sie nachher dazu zwingen soll, wie in Trance www.wienerzeitung.at/abonnement in ihr Smartphone zu tippen.

Moment: Wenn sie auf zweieinhalb Kilo und mit der Verpackung vielleicht auf drei kommt, die Kaffeemaschine, ginge es sich arschknapp aus. Äh, und wer trägt mir derweil den Rucksack? Der Heinz natürlich. Obwohl: Der hat’s auch mit dem Rücken. Die 3.311 Gramm hängt sich der sicher nicht freiwillig hinten drauf. 3.311? Ja. Rucksack (leer): 590 Gramm, Geldbörserl: 221 Gramm, Schlüsselbund: 97 Gramm, Handy: 183 Gramm, "Wiener Zeitung" (letzte Freitagsausgabe, netto): 68 Gramm, Desinfektionsmittelflascherl: 105 Gramm, Körperwaage: 2.047 Gramm. Ich weiß, was sich jetzt alle fragen: Wie hat die ihre Körperwaage abgewogen? Antwort: Mit der Küchenwaage. Wozu ich die überhaupt in meinen Rucksack stopfe? Na ja, wie weiß ich sonst, wie schwer die Kaffeemaschine ist? Hm. Hat mein Rucksack nicht selber bereits 311 Gramm Übergewicht? Nicht, wenn ich die 1.700 Gramm abziehe, die ich seit dem Termin bei der Orthopädin abgespeckt habe. Ergo nimmer mit mir herumschleppe. 3.311 - 1.700 = 1.611. Bedeutet: Für 1.389 Gramm hätte ich im Rucksack noch Platz. Ein Paar Schuchis eventuell?

Witzigerweise ist am selben Friday Kauf-nix-Tag. Ah so, in Amerika. In Europa findet diese aktivistische (bzw. passivistische) pekuniäre Nulldiät praktischerweise erst am Samstag statt. Wenn die Leute nach den vielen "Deals" eh kein Geld mehr haben. Heißt das, wenn ich mich nicht als ausbeuterisches Konsumentenschwein outen will, darf ich nicht einmal eine Eintrittskarte fürs Museum erwerben, um einen Alten Meister mit Suppe zu "füttern"? Oder ein Kaffeetscherl trinken gehen? Wobei: Das kauft man ja nicht, das zahlt man. Oder ruf ich zum Kellner rüber: "Kaufen, bitte!"? Ach, am Montag ist sowieso wieder Kauf-was-Tag. (Online schon früher.)