Während in der Ukraine ein Krieg mit grausamen Verheerungen und Verbrechen tobt, herrscht in unserem ganzen Land Frieden. Gottseidank. Aber . . . im ganzen Land? Nein, in einem gar nicht so kleinen Museum in der Nähe des Hauptbahnhofs gibt es Unfrieden. Denn laut einer Beschwerde, die im zuständigen Verteidigungsministerium eingegangen ist, würde im Heeresgeschichtlichen Museum von der Direktion ein Klima "der Angst, der Drohungen und der Konflikte" erzeugt werden. Gut, sagt sich da der Zyniker, da geht es ja auch ums Militär. Wie sonst außer mit Angst, Drohungen und Konflikten hält man die Menschen auch bei der Truppe? Mit Schokolade? Eher nicht.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Anscheinend hat sich die Direktion aber so mit der Militärgeschichte identifiziert, dass noch nicht bemerkt wurde, dass in einem Museum gar kein Konfliktfall vorliegt. Dafür sollen Sätze gefallen sein wie: "Du bist ein Krebsgeschwür, das man herausschneiden muss." Nun ja, die Militärärzte dieser Welt sind auch nicht für Zimperlichkeit bekannt. Und selbst der kolportierte Sager "Das Abwehramt weiß alles, was du sagst, ich habe sie schon informiert" stünde in der österreichischen Tradition. Hat doch der gute, alte Metternich den Spitzelstaat einst so ausgebaut, dass - während anderswo der "Vormärz" langsam erblühte - in Österreich das "Biedermeier" seine bleiernen Flügel über alles legen konnte.

Also vielleicht sieht die Direktion des Heeresgeschichtlichen Museums dieses Verhalten als Corporate Idendity an. Oder sogar als Corporal Identity? Würden aber alle Museumsdirektionen der Stadt ihr Verhalten derart an den Ausstellungsgegenstand anpassen, würden die Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum regelmäßig gegossen und in die Sonne gestellt werden, bis sie Wurzeln schlagen. Und im Kunsthistorischen Museum würde das Personal einander gegenseitig als Aktmodell zur Verfügung stehen und den Mittagstisch als Stillleben inszenieren.

Die Probleme im Heeresgeschichtlichen Museum sind anderseits so neu nicht. Nach einem Rechnungshofbericht über das Haus im Jahre 2020, den man als "vernichtend" zusammenfassen kann, hat das Verteidigungsministerium damals "enormen Handlungsbedarf" gesehen und versprochen, dass man "nicht tatenlos zusehen" werde. Logisch. Schließlich ist das auch eine Tradition: vernichtende Niederlagen. Die kennt Österreichs Militär seit Solferino und Königgrätz.

Und tatsächlich hat ja auch die Verteidigungsministerin gehandelt. Weil im Heeresgeschichtlichen Museum allerlei Bestände, Zustände und anscheinend auch Anstände im Dunklen liegen, hat man jetzt das "Blackout Kochbuch" heraus gebracht. Im Dunkeln ist also nicht nur gut Munkeln, sondern im Finstern ist auch gut Frittieren. Dieses kulinarische Krisenwerk wurde durch die Lehr- und Versuchsküche an der Heereslogistikschule entwickelt und enthält - laut Aussendung des Verteidigungsministeriums - "einfache Rezepte für Krisenzeiten".

Ob darin Spaghetti à la Nachtsichtgerät oder Spiegelei von der Freiland-Drohne angepriesen werden (dazu ein Viertel Infrarot vielleicht?) ist dem Autor nicht bekannt. Hauptsache, es wird nicht mit Gulaschkanonen auf Spatzen geschossen, nur weil die etwas über die Direktion von den Dächern des Museums pfeifen.