Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Guten Tag! Lesen Sie gerne Bilanzen? Ich nicht. Erstens bin ich kein Börsenheini - wenn wir das Wort Bilanz jetzt einmal rein finanzgeschäftlich betrachten wollen. Und zweitens denke ich in den Tagen und Wochen der jetzt wieder auf uns zukommenden Jahresrückblicke nicht zuletzt darüber nach, ob es in Zeiten, in denen es mit der Welt nicht gerade zum Besten steht, nicht deutlich besser wäre, sich, wenn überhaupt, an eines zu erinnern - nämlich daran, was nicht war.

Gehen wir es dabei ausnahmsweise einmal persönlich an. Was habe ich heuer nicht alles so nicht gemacht? Du meine Güte. Ich glaube, das war ganz schön viel. Beispielsweise habe ich das Jahr traditionell mit keinem Skiurlaub begonnen. Für Ischgl und Co bin ich zumindest in diesem Leben verloren. Ob ich es bereue, in keiner Skihütte keinen Germknödel gegessen zu haben und danach nicht wie Hansi Hinterseer bärig mit lockerem Hüftschwung über die Piste gewedelt zu sein? Aber nein. Irgendeinen Grund wird es schon haben, warum ich mich zuletzt im Jahr 1999 oder 2000 mit zwei nicht zum Langlaufen geeigneten Brettln auf den sogenannten gführigen Schnee begeben habe. Und damit ist noch gar nicht einmal der Klimawandel gemeint.

Immerhin bin ich, wie in den beiden Jahren davor, auch 2022 nicht deshalb nirgendwo hingeflogen, um meine persönliche Ökobilanz zu frisieren - und musste mich trotzdem auf keinem Rollfeld festkleben. Dem Himmel bin ich leider aber auch ansonsten nicht gerade sehr nahe gekommen. Im Prater habe ich es dem Motivationsversuch eines 5-Jährigen zum Trotz auch heuer wieder vermieden, in das Riesenkarussell vor dem Schweizerhaus einzusteigen, und mein Tagebuch enthält am 27. Juni einen tatsächlich sehr traurigen Eintrag: "Heuer noch keine einzige Sternschnuppe gesehen." Beim Teutates! Zumindest auf den Kopf gefallen ist mir der Himmel zum Glück aber auch nicht.

Warum ich in diesem Jahr keine Kalbsleber zubereitet habe? Fragen Sie das bitte nicht mich. Zu Hause isst mir die ja wieder keiner. Was in offenbar meinem gesamten Freundeskreis leider auch für Gänse gilt, weshalb die diesbezügliche Wirtshaussaison ohne mich stattfinden musste. Freiwillig ferngeblieben bin ich dafür - wie in jedem anderen Jahr auch - sowohl der Wiener Wiesn als auch dem Villacher Fasching. Außerdem habe ich der einen und auch der anderen Partei meine Stimme mit großem Vergnügen erneut nicht geschenkt, was heuer noch einfacher war als sonst. Parteien standen in meiner Region 2022 ja gar nicht zur Wahl.

Die guten Vorsätze, die ich im Vorjahr nicht hatte, habe ich diesmal dafür schnurstracks in die Tat umgesetzt. Zum Abschluss anstelle der Rückschau noch ein schneller Ausblick: Was ich im kommenden Jahr alles nicht gemacht haben werde, werde ich Ihnen dann im Dezember 2023 nicht erzählen.