War früher gerne in der Freudenau: Galopp-Fan Gerald Schmickl. 
- © Basil Nikitakis

War früher gerne in der Freudenau: Galopp-Fan Gerald Schmickl.

- © Basil Nikitakis

In der fünften Staffel der TV-Serie "The Crown" über das englische Königshaus kommt es bei einer Pferdeauktion zur ersten Begegnung zwischen Diana und Mohamed Al-Fayed. "Machen Sie sich eigentlich etwas aus Pferden?", fragt der Harrods-Eigentümer (und Vater von Dodi) die Prinzessin. "Ach was, nicht die Bohne", sagt Diana (sinngemäß) - und damit ist ein erstes einigendes Band zwischen ihr und der Al-Fayed-Familie gelegt (und die Distanz zur Queen demonstrativ markiert).

Der amerikanische Journalist John Jeremiah Sullivan machte sich auch lange nichts aus Pferden, bis er am Sterbebett seines Vaters von dessen Erinnerung an den Siegeslauf des Pferdes Secretariat beim Kentucky Derby 1973 hörte, einer Schlüsselszene aus dessen Sportreporterleben (weil der Hengst damals - "Es war, als wäre er eine ganz neue Tierart" - auf den letzten Metern an allen Konkurrenten vorbeigaloppierte). Diese Reminiszenz sieht der Sohn als Auftrag, sich in der Folge nicht nur mit diesem Pferd, sondern mit der gesamten (Kultur-)Geschichte des Rennsports und der Pferdezucht zu beschäftigen, woraus der nun auf Deutsch erschienene Band "Vollblutpferde" (im Suhrkamp Verlag) hervorgegangen ist.

Mich erinnert diese Geschichte bzw. Episode wiederum an den Vater eines Freundes, einen begeisterten Rennplatzbesucher über viele Jahre hinweg, der angeblich bis zu 150 Pferde alleine anhand ihrer Kopfform erkennen und auseinanderhalten konnte (was schon fast nach "Wetten, dass..?" klingt).

Mir selbst, der ebenfalls gerne zu Galopprennen ging, gelang das bei einem einzigen Pferd, dessen Oberlippe derart markant ausgeprägt war, dass ich es schon von weitem erkannte. Ansonsten sahen sie für mich alle irgendwie gleich oder zumindest ähnlich aus. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir - trotz meiner Leidenschaft für diesen Sport - aus den Pferden selbst auch nicht allzu viel machte. Mir gefiel eher die Atmosphäre, das Drumherum - und die Spannung bei so manchem Zieleinlauf. Wobei sich die Faszination vor allem auf den Rennplatz in der Wiener Freudenau bezog, diesem (seit 1839) traditionellen Geläuf im Prater, mit seinen alten Tribünen, Stallungen und einer gewissen k.u.k.-Anmutung.

Leider war es im Jahr 2004 damit vorbei, nachdem sich Besitzer, Pächter und Veranstalter auf keine tragfähige Zukunft der Rennbahn einigen konnten - und Frank Stronach sein Magna Racino südlich von Wien eröffnete. Dorthin ging bzw. fuhr ich schon deutlich weniger gerne, weil dem aberwitzig großkotzigen (Glückspiel-)Tempel mit angeschlossener Rennbahn inmitten der Sümpfe von Ebreichsdorf die anheimelnd historische Atmosphäre gänzlich fehlte. Immerhin wurde ein paar Jahre lang akzeptabler Rennsport geboten, bevor auch dieser allmählich versickerte. Damit ist der ehrenwerte und traditionsreiche Galopprennsport in Österreich praktisch von der Bildfläche verschwunden.

Was das Verschwinden dieses "Kulturguts" mit der "Wiener Zeitung" zu tun hat, ist in diesen Tagen leider allzu offenkundig. Immerhin haben wir nicht einmal Frank Stronach gebraucht, um von der Einstellung bedroht zu sein.