Eigentlich ist das ein richtiges Nerd-Thema: der Vergleich von Aufnahmen, Abmischungen, Alt- und Neuveröffentlichungen berühmter Alben der Pop-Geschichte, vorzugsweise auf Schallplatte. Zwei lehnen gerade bei mir daheim neben der Hi-Fi-Anlage, jeweils in doppelter Ausführung - "Revolver" von den Beatles und "Animals" von Pink Floyd. Von beiden Werken gibt es seit einigen Wochen Remixe, also akustische Neubearbeitungen, die ein nachgerade revolutionäres Hörerlebnis versprechen. Und damit eine Klientel im Auge haben, die Lust und Zeit hat, dem nachzuspüren.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Bei den Beatles war es der Sohn der Produzenten-Legende George Martin, Giles, der eines der besten Alben der Fab Four (viele meinen, das allerbeste) frisch aufpolierte. Er hat das auch schon mit anderen Meisterwerken von John, Paul, George und Ringo gemacht, von "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" bis "Abbey Road". Beim Remix des späten, oft unterschätzten, weil arg düsteren, annähernd klaustrophobischen Pink-Floyd-Opus "Animals" - getätigt vom Toningenieur James Guthrie - lagen die neuen Masterbänder (heute eher: -Files) dagegen vier Jahre lang auf Eis, weil sich Roger Waters bekanntlich notorisch im Clinch mit seinen Ex-Bandkollegen befindet. Jetzt aber, etwas überraschend, wurde alles in jeder nur erdenklichen Spielart auf den Markt geworfen: CD, SACD, Vinyl, 5.1 Surround-Mix, Blu-Ray, Box Set, you name it. Sogar das ikonische Cover, das die Londoner Battersee Power Station zeigt (mit dem berühmten fliegenden Schwein zwischen den Kraftwerks-Rauchfängen), wurde neu fotografiert. Aber klingt das jetzt so ganz anders, dass man es partout haben muss?

Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden: selbst reinhören! Gewiss: Es ist ein teures und etwas eigenartiges Hobby, sich den feinen Klangunterschieden verschiedener Versionen ein und desselben Materials zu widmen - sofern man’s nicht mit einer kurzen Stichprobe auf Spotify & Co. erledigt. Freilich wird das nur eine blasse Ahnung geben. Die engere Zielgruppe aller Remix-Beutelschneiderei sind Leute, die ihre hochgezüchteten und teils exorbitant überteuerten Gerätschaften mit möglichst bis zum Anschlag ausgereiztem Audio-Kraftfutter vorführen wollen. Dem kann man ideologisch nur etwas entgegensetzen, wenn man vorzugsweise verkratzte alte Schallplatten günstig am Pfarrflohmarkt erwirbt. Das wäre dann die gelebte Antithese zum High-End-Wahn.

Meine Behauptung lautet: Es ist gar nicht so wichtig, ob man deutliche Unterschiede festzurrt (am ehesten gelingt das noch mit einem guten Kopfhörer). Wesentlicher ist, dass man sich in einer Weise mit Meisterwerken der Musikgeschichte beschäftigt, wie man es vielleicht noch nie zuvor getan hat - analytisch, detailversessen, auch soundtechnisch interessiert. Der Nachteil ist, dass man die emotionale Wucht der Erstbegegnung mit all den geballten Ladungen Popkultur nur bedingt wird auffrischen können. Sprich: Die eigene Jugend lässt sich so nicht wiedergewinnen. Aber der Vorteil überwiegt: Man erkennt nun nicht mehr nur mit dem Herzen, sondern auch mit jedem Sinnesorgan und jeder Faser des Verstands, was man an solchen Schätzen im Regal hat. Ich hör’ dann gleich nochmals "Tomorrow Never Knows".