Sie ist endlich in Kraft, die Stromkostenbremse. Ich könnte mich also schön langsam ein bissl entspannen. Obwohl ich sogar mit Strom heize. Ach, nicht mit Fernwärme? Nein, das glauben bloß die Stricherln auf dem - kalten - Heizkörper, den ich seit Jahren nimmer aufdrehe, und trotzdem verdunstet die Messflüssigkeit im Röhrchen immer schneller. Muss an der Erderwärmung liegen. Weil die Heizkörpererwärmung kann’s definitiv nicht sein.

Meine Stromheizung läuft dafür rund um die Uhr, das ganze Jahr über. Na ja, ich kann sie nicht ausschalten, sonst wird die Milch sauer. Im Sommer hab ich übrigens versucht, sie als Klimaanlage zu nutzen. (Die Heizung, nicht die Milch.) Jedes Mal jedoch, wenn ich das Türl offen gelassen habe, damit es kalt herauskommt, hat das Ding so enervierend zu piepsen angefangen. Richtig: der Kühlschrank. Der ist eigentlich ein Heizgerät. Hinten kommt’s schließlich warm raus, oder? Ich bin jedenfalls dauernd ziemlich unentspannt. Auch während ich das hier schreibe, steh ich unter Strom. Okay, nicht komplett. Nur ein Muskel wird stimuliert. Die Neun-Volt-Batterie zahlt aber eh die Krankenkassa. Ein Reizstromgerät, hallo? Zum Muskelaufbau. Kein Vibrator. ("Elektroden nicht in Körperöffnungen einführen!" Allerdings soll ich sie in den Kühlschrank "einführen". Dann halten sie länger. So schließt sich der Kreis. Der Stromkreis.) Das Gerät benötige ich, weil ich meinem Namen derzeit vollauf gerecht werde. Claudia - vom lateinischen "claudus": lahm, hinkend.

Weitere Strombehandlungen, die mich nix kosten, erhalte ich in einem physikalischen Institut. Selbst zur Entspannung. Da spricht irgendein an der Steckdose hängendes Kastl mit mir. Sagt mit sanfter Stimme, dass ich relaxen soll. Und die Stirn glattstreichen. Von innen. Als es mich freilich aufgefordert hat, mich schwer zu machen ("der rechte Arm ist gaaaanz schwer, das linke Bein ist gaaaanz schwer . . .") und mit jeder Ausatmung tiefer in die Unterlage einzusinken, hab ich meine Ohren fest von innen zugehalten und laut "Lalalalala" gesungen. Im Kopf. Nicht, weil ich Angst gehabt hätte, in der Yogamatte zu ertrinken, sondern weil ich nicht wieder alles zunehmen wollte (durch autogenes Training), was ich grad erst mühsam abgenommen hatte (mit der Bandscheibenvorfall-Diät). So ein sexistischer BMI-Rechner beschimpft mich sowieso noch immer als "präadipös". Wegen einem einzigen Kilogrämmchen. Weil ich eine Frau bin. Wäre ich ein Mann, würde er mir zu meinem Normalgewicht gratulieren.

Body-Mass-Index: Kilo pro Quadratmeter. Meine Waage misst 30 mal 30 Zentimeter, ich wiege auf diesen 0,09 Quadratmetern 72 Kilo, macht, äh: 800 Kilo pro Quadratmeter? Wäre ich mit einem BMI von 800 nicht vielmehr postadipös? Ah so: Kilo pro Körpergröße zum Quadrat! Ergo 72 : 1,702 = 24,9. Und Frauen sind ab einem BMI von 24 übergewichtig, Männer erst ab einem von 25. Dass ich einen Herrenflanellpyjama angehabt habe, zählt nicht? Oder gilt das als sexuelle Aneignung? He, ich hab die Lösung: Ich steig mit meinen Stöckelplateauschuhen auf die Waage. Dann wiege ich zwar ein Kilo mehr, bin aber 1,81 Meter groß. Macht einen BMI von 22,3. Und wenn ich die Schuchis auch auf der Yogamatte trage, kann ich mich ruhig noch fünf Kilo schwerer machen. Ganz entspannt.