Eine der in San Casciano dei Bagni freigelegten Statuen. 
- © APA/AFP/Italian Culture Ministry/Handout

Eine der in San Casciano dei Bagni freigelegten Statuen.

- © APA/AFP/Italian Culture Ministry/Handout

Der Boden Italiens gibt immer wieder spektakuläre Funde preis, die Zeugnis von der langen Geschichte des Landes und der hochstehenden Kultur seiner Bewohner geben. Antike Statuen von Göttern, Heroen und berühmten Persönlichkeiten sind dabei von besonderem Interesse, da sie einen unmittelbaren Einblick in die religiösen und politischen Vorstellungen längst vergangener Epochen gewähren.

Bildwerke aus dem wertvollen Werkstoff Bronze sind selten, es ist daher eine archäologische Sensation, dass jüngst im Badeort San Casciano dei Bagni rund 70 Kilometer südöstlich von Siena gleich 24 Bronzestatuen geborgen wurden. Ihr erstaunlich guter Zustand ist dem sie umgebenden Schlamm und warmen Wasser zu verdanken, die das Material für Jahrtausende konservierten.

Die Statuen stellen nach ersten Mitteilungen der verantwortlichen Archäologen die an dieser heiligen Stätte verehrten Gottheiten dar, zusammen mit den Organen und anatomischen Teilen, für die das heilende Eingreifen der Gottheiten durch Thermalwasser gesucht wurde. Hygieia, die personifizierte Gesundheit, und Universalgott Apollo wurden von den Besuchern des Ortes verehrt und mit Votivgaben beschenkt. Dadurch sollten das Wohlwollen der Überirdischen und ihre Hilfe bei der Genesung sichergestellt werden. Die Menschen der Antike waren davon überzeugt, dass ihre Gottheiten Geschenke durch Wohltaten vergelten würden. Bildwerke aus Bronze entsprachen dieser Anforderung in besonderer Weise und standen weit über den einfacheren Votivgaben aus Ton, Holz oder Stein.

Funde wie jene in San Casciano dei Bagni sind für nahezu alle Disziplinen der Altertumswissenschaften interessant: Für die Archäologen stehen kunsthistorische Fragen im Vordergrund, bei denen es darum geht, die Objekte zu datieren und in den Kontext antiken Kunstschaffens einzuordnen. Für den Althistoriker ist die Interpretation der Darstellungen unter religionsgeschichtlichen und soziologischen Gesichtspunkten von grundlegender Bedeutung, da sie Einblick in die Kultpraxis und die sozialen Verhältnisse jener Epoche geben. Schließlich ist auch der Beitrag der Sprachwissenschafter gefragt, denn die Bronzen tragen etruskische und lateinische Inschriften und werden daher wohl auch zum besseren Verständnis der etruskischen Sprache beitragen.

Experten verglichen die Bedeutung der jüngsten Funde sogar mit den berühmten Bronzefiguren von Riace: Vor der Küste Kalabriens waren im Jahr 1972 zwei lebensgroße Männerstatuen im Meer entdeckt worden, die ursprünglich aus dem 5. Jahrhundert vor Christus stammen und heute das Highlight des archäologischen Museums von Reggio di Calabria sind.