Der Film "Corsage" über das Leben von Kaiserin Elisabeth, vulgo "Sissi", wird Österreichs Beitrag für den Auslandsoscar. Das ist logisch, denn im Film&Fernsehbusiness boomt schon seit längerem nichts so wie Geschichten über den Adel. Ob Serien über die Tudors oder Maximilian, ob "The Crown", "The Queen", "Versailles", "The Royals", "Victoria" oder "Downton Abbey", das blaue Blut tropft vom Schirm.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Als überzeugter Anhänger von Republik und demokratischem Staatswesen fühlt man sich wie der Betrachter eines Rolling-Stones-Konzertes: Man hat den Verdacht, dass es das Objekt der Begeisterung nicht mehr allzu lange geben wird. Demokratien sterben leise.

Monarchen dagegen mit Pomp und Pauken und Fanfaren. Das Ableben der englischen Königin dieses Jahr hat ja gezeigt, wie viele Staatsbürger sich auch als Untertanen wohlfühlen würden. Anders ist die Begeisterung für die oft besungene "Lebensleistung" einer Frau, die es geschafft hat, sich ihr ganzes Dasein vom britischen Steuerzahler finanzieren zu lassen, nicht zu erklären. Dabei gibt es weitaus wichtigere Menschen. Man kann etwa weitaus länger ohne monarchistisches Wesen leben als ohne die Leute, die den Müll abholen.

Aber Sachargumente zählen nun mal bei ent- und begeisterten Gemütern nicht.

Das hat sich dieser Tage erst in Deutschland gezeigt. In einer der größten Polizeirazzien der Geschichte der Bundesrepublik haben 3.000 Polizisten 130 Objekte (eins davon im sozialen Brennpunkt Kitzbühel) durchsucht. Ziel der lang vorbereiteten Aktion waren die sogenannten "Reichsbürger". Also Menschen (meist männlich, mittleren Alters, mittleren Einkommens und mittlerer Radikalität), die das wilhelminische Kaiserreich wiedererrichten wollen.

Folgerichtig fand sich an ihrer Spitze auch ein Adeliger mit dem Rufnamen "Heinrich der Dreizehnte". Bekanntlich eine Unglückszahl, die Dreizehn. Im Unterstützerkreis seiner Durchgeknalltheit finden sich nun ehemalige Soldaten, Offiziere und Polizisten mit Zugang zu Waffen und Umsturzplänen, aber auch Ärzte, Richter und Köche und andere Menschen, die ein Abo von "Adel Heute" besitzen.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum diese Menschen ausgerechnet ein so kläglich gescheitertes Gebilde wie das Kaiserreich der Hohenzollern in ihren Reihenhäusern wieder errichten wollen. Da hätte die Geschichte doch imposantere Gebilde im Angebot: das Reich des salischen Kaisers Heinrich des Vierten, etwa. Es reichte von Schleswig bis Rom und sogar die Provence und das Burgund waren dabei. Da winkt Sauerbraten in Aix en Provence.

Oder das Reich von Kaiser Karl V. Da ging bekanntlich die Sonne nie unter (womit man heute enorm Energie sparen könnte) und neben halb Südamerika, Belgien, den Niederlanden und Spanien wäre auch Mallorca dabei. Ballermann royal!

Doch diese blaublutrünstigen Reichsbürger (von denen es 2.000 auch in unserem Land geben soll) übersehen, was das Großartigste ist: Wenn einem die Regierung nicht gefällt, muss man nicht auf deren Ableben warten. Man kann sie abwählen. Und eine neue Episode beginnt.

Spannende Serie.