Wenn am kommenden Sonntag die Fußballweltmeisterschaft in Katar zu Ende geht, werden wir auf mehrere Wochen Sportberichterstattung zurückblicken: auf Berichte, gespickt mit Spitznamen.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Sehen wir uns die Mannschaften an, die es bis ins Viertelfinale geschafft haben. In der einen Hälfte des Turnierbaums spielten die Three Lions gegen Les Bleus und die Löwen vom Atlas gegen die Seleção das Quinas, im anderen die Oranje gegen La Albiceleste und die Kockasti gegen die Seleção. Haben Sie alles verstanden? Ich musste das eine oder andere recherchieren.

Die englische Nationalmannschaft wird nach den drei Löwen im Wappen Englands bezeichnet. In der Sprache der Wappenkundler sind es allerdings Leoparden. Der Heraldische Leopard besitzt keine Flecken und oft hat er eine Mähne, er ähnelt also einem Löwen. Der Grund liegt darin, dass im Mittelalter Mischlinge aus Löwenmännchen und Pantherweibchen gezüchtet wurden, und diese wurden als Leoparden bezeichnet. Die französische Nationalmannschaft heißt Les Bleus, nach den blauen Dressen, oder auch Équipe Tricolore, nach der Flagge Frankreichs.

An den Spitznamen der Marokkaner musste ich mich erst gewöhnen: Ebenfalls Löwen, aber in diesem Fall die Löwen vom Atlas. Gemeint ist der inzwischen ausgestorbene Berberlöwe, auffälliges Merkmal des erwachsenen Männchens war die besonders starke, dunkle Mähne. Die Portugiesen heißen Seleção das Quinas - als Quinas werden die kleinen Schildchen im Wappen der portugiesischen Flagge bezeichnet.

Im zweiten Teil des Turnierbaums traten die Niederländer an, sie werden seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund der traditionellen orangefarbenen Trikots und des Königshauses Oranien-Nassau als Oranje elftal bezeichnet oder kurz nur Oranje oder nur Elftal.

Gegen die Niederländer spielten die Argentinier. Deren Mannschaft heißt nach den Farben der zwei Streifen in der Nationalflagge La Albiceleste: die Weiß-Himmelblaue. Früher nannte man die Argentinier auch Gauchos, aber seit 2014 kommt einem das nicht so leicht über die Lippen. Als die deutschen Fußballweltmeister am Brandenburger Tor mit ihren Fans feierten, gaben sie den "Gaucho-Tanz" zum Besten. Die Argentinier wurden mit gebücktem Gang verhöhnt, dann gingen die Deutschen aufrecht und sangen "die Deutschen, die gehen so".

Die zwei Spitznamen der kroatischen Nationalmannschaft werden hauptsächlich in ihrer Heimat verwendet - und in Teilen Ottakrings: Kockasti, die Karierten, in Anlehnung an die Nationalflagge, und Vatreni, die Feurigen. Ihre Gegner im Viertelfinale, die Brasilianer, nennen sich schlicht und einfach Seleção: die Auswahl.

Ähnlich einfallslos geht es im deutschen Sprachraum zu. Die früh ausgeschiedene DFB-Auswahl hat keinen Spitznamen; nicht besser geht es der nicht qualifizierten ÖFB-Nationalmannschaft. Die Schweizer bezeichnen ihr Nationalteam liebevoll als "die Nati", gesprochen mit "z", schließlich ist es die Abkürzung für "Nationalmannschaft". Nur deutsche und österreichische Kommentatoren scheuen sich manchmal, das Wort richtig auszusprechen. Sie sagen Nati mit "t". Warum wohl?