An geraden Tagen bin ich jetzt der Mann im Haus. Oder halt in der Wohnung. (Nicht im ganzen Gemeindebau natürlich.) Aber eh nur bis Weihnachten. Bis dahin bin ich allerdings endlich auch einmal "genderfluid" und nicht immer bloß dieses Cis-Weibchen, das mittlerweile ja total altvaterisch, hoppala: altelternteilig ist. Bzw. ändere ich mein Geschlecht eigentlich weniger fließend als abrupt. Denn wie lange braucht man schon, um ein Türl aufzureißen. Nicht das Hosentürl, pfui. Das vom Adventkalender, hallo?

Meine Schwester hat uns nämlich zwei sehr spezielle Exemplare besorgt (geschlechtsspezifische), anhand derer wir nun fleißig Gender-Studies betreiben: "Men’s Gadgets - Der Adventskalender für ihn" und "Women’s Gadgets - Der Adventskalender für sie". Ersterer ist grün, Zweiterer rot. Grün ist das neue Blau und Rot das neue Rosa? Moment: Schreiben die nicht die binäre Geschlechterordnung fort (wie diese Geschlechter-Apartheids-Klos und -Umkleidekabinen)? Ist das also überhaupt politisch korrekt? Und was sind "Gadgets", bitte? Aha, "(praktische) Gerätschaften". So Dingsbumssachen. Bums? Äh, Sexspielzeug? Nein, Genderspielzeug. Oh: "Für Kinder unter 14 Jahren nicht geeignet." Wahrscheinlich weil man ab 14 deliktsfähig ist. Und mit manchen der "Gadgets" kann man andere eben ernsthaft verletzen.

Wegen der Geschlechtergerechtigkeit ist jedenfalls immer abwechselnd einmal die eine der Mann und einmal die andere. An meinem maskulinen Tag pinkle ich daheim trotzdem nicht im Stehen. Und die Michi darf das dann mit dem Brillenputztuch aufwischen. Ach, das ist nur für die Brille auf der Nase, nicht für die, die einem auf den Hintern glotzt? (Gut, nicht alles ist praktisch.) Ein Kompass? Wofür benötige ich eine Orientierung? Hab doch ein Smartphone. Mit Telefonierfunktion. Ruf ich mir einfach ein Taxi. ("Aber vorher müssens mei Handy orten.") Und was fang ich mit einem Kugelschreiber ohne Mine an? Jö, wenn man ihn schüttelt, scheppert‘s. Eine Rassel? Auf der Rückseite vom Türchen ist ein Hinweis: "Für die schnelle Reparatur unterwegs - mit 7 Einsätzen." Ein Schraubenzieher! Magnetisch. Mit Wechselschraubdingern. Und zugleich ein Test. Ob man ein pedantischer Besserwisser ist. (Acht Einsätze sind’s. Acht!)

Männer sind demnach Abenteurer, Bastler (Kreuzwasserwaage) und Waffennarren (Schweizer Messer, Stanley-Messer, Reifenprofilmesser - um die Reifen unliebsamer Verkehrskonkurrenten aufzuschlitzen? Der Messer, nicht das!), während die Frauen sich die Nägel feilen, schönheitsschlafen (Schlafmaske), Knöpfe annähen (he, das Nähzeug hat eine Einparkhilfe, nein, der Faden ist bereits eingeparkt, im Öhr!), und sie sind Bläserinnen. Am 17. (okay, ich hab ein bissl in die Zukunft geschaut) ist ein Notfallpfeiferl drin.

Hinter den Türln haben freilich neben den kleinen Unterschieden die kleinen Gemeinsamkeiten ebenfalls Platz. Einkaufswagenchips, ein Ring, mit dem man (frau ist mitgemeint) die Ehe mit seinem Handy besiegelt ("Hält bombenfest an jedem Smartphone-Rücken"), ein Maßband (kommt es doch wieder auf die Größe an?) oder ein chirurgisches Instrument für . . . Hirnoperationen? I wo. Das ist ein Korkenzieher. Die Unisex-Schokolade war mir irgendwie lieber. Obwohl: Muss die Schoko-Weihnachtsperson echt immer dieser bärtige Kerl sein?