Die Zeiten sind schlecht, das Heizen ist teuer, das Essen ebenso. Da ist es vor allem wichtig, die Stimmung nicht zu verlieren. Umso schöner ist es dann zu hören, dass an der japanischen Universität in Kyoto ein Durchbruch erzielt wurde. In dieser Geistesschmiedewerkstatt wurde dieser Tage ein Roboter der Öffentlichkeit vorgestellt, der vieles kann, was auch schon andere Blechtrottel können und obendrein auch noch: lachen. Eine Sensation! Erika heißt die humoristisch talentierte Maschine, und man darf sich schon darauf freuen, wenn die mal in Serienproduktion geht. Denn dann wird das Lachen, das Kichern und Schmunzeln kein Ende nehmen.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Und das wird unseren Alltag verbessern. Man stelle sich vor, man steht am Schalter der Österreichischen Bundesbahnen und erkundigt sich nach dem Zug, den man dringend nehmen muss, und die freundliche Erika aus Metall im ÖBB-Dress sagt: "Wegen verzögerter Übergabe aus dem Ausland hat ihr Zug leider 120 Minuten Verspätung" und muss dabei ein bisschen kichern.

Da kann man ihr doch gar nicht mehr wirklich böse sein.

Ähnlich bei der Nachrichtensprecherin, die in ihren Bewegungen noch etwas steif wirkt und deren Stimme noch ein bisschen künstlich, aber trotzdem kann sie sich beim Bericht über das Artensterben ein freundliches, optimistisches Lächeln nicht verkneifen.

Und wenn sie einen so anstrahlt, weiß man: Dieses Lächeln kommt aus tiefstem Schaltkreis.

Das wird sich natürlich auch die Politik zunutze machen. Gibt es etwa schon wieder neue Korruptionsvorwürfe gegen eine Regierungspartei, die seit 1986 ununterbrochen am Kabinettstisch sitzt? Worum geht es diesmal? Chats? Geldflüsse? Anzeigen gegen freundliche Berichterstattung? Oder ein vergoldetes Porträt eines Immobilienmoguls, das automatisch "Oh Du lieber Sebastian, lass dieses Geld, nimm unsres an" sagen kann? Welche Erbaulichkeiten auch immer die Schlagzeilen der Innenpolitik-Seiten wieder beherrschen, es kommt zu einer Pressekonferenz, und vor die versammelten Journalisten tritt eine junge Dame mit zackigem Gang und maschinenartiger Ausdrucksweise. Aber, nein, es ist nicht Karoline Edtstadler, eine andere, freundliche junge Dame mit glänzendem Aussehen beantwortet alle Fragen. Und zwar immer nur mit dem Satz: "Dazu habe ich leider keine Wahrnehmung." Aber wer kann ihr bei diesem gewinnenden Lächeln böse sein?

Apropos Journalisten: Würde - rein hypothetisch - ein neuer Geschäftsführer in einem kritischen Nachrichtenmagazin von der Redaktion nicht willkommen geheißen werden, was tut er dann? Er ersetzt die schreibende Zunft mit Robotern mit neuester Sprachsoftware. Denn er findet, die machen das mindestens genauso gut und obendrein sind sie auch in der Redaktionssitzung immer gut drauf.

Aber auch in Kunst und Kultur kann man die Erikas brauchen. Leere Theater und Kabarett-Spielstätten? Das war gestern: Heute sitzen hundert gleich aussehende junge Damen im Publikum und schmeißen sich bei den vorgetragenen Witzen der Vortragenden vor Lachen weg.

Kurz gesagt: Die Zukunft grinst einem fröhlich entgegen. Oder wie heißt es so schön?

"Lächle, denn es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte. . . Und es kam schlimmer.