Neulich war ich bei einem Freund und Journalistenkollegen zu einem Mittagessen eingeladen. Im Erinnerungsmail stand der genaue Anfahrtsweg und der Satz: "Bitte nichts mitbringen. Wir haben alles." Schöne Worte. Einige meiner Freunde haben auch alles, aber keiner gibt es so offen und ehrlich zu. Ich antwortete auf das Mail mit einem Liedzitat: "I have no gift to bring, pa rum pum pum pum . . ." Und brachte als Gastgeschenk eines meiner Bücher mit.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

"Little Drummer Boy" gehört zu jenen modernen Weihnachtsliedern, die ich immer wieder gern höre. Es erzählt die Geschichte eines Buben, der so arm ist, dass er dem Jesuskind keine Geschenke mitbringen kann. Stattdessen schlägt er mit dem Einverständnis der Jungfrau Maria seine Trommel. Der Neugeborene scheint dies zu verstehen und lächelt ihn dankbar an. So weit, so kitschig, aber ein wenig Kitsch darf zu Weihnachten wohl sein.

Das Lied wird nach meinem Gefühl am eindrucksvollsten von Bing Crosby und David Bowie interpretiert, es sieht aufs erste rein US-amerikanisch aus, hat aber europäische, wenn nicht gar österreichische Seitenwurzeln. Das Original trug den Untertitel "Czech carol freely transcribed by C. R. W. Robertson", bekannt wurde das Lied zuerst in der Version der Trapp Family Singers Mitte der 1950er Jahre - das Leben der österreichischen Sängerin und Schriftstellerin Maria Augusta Trapp wurde als Heimatfilm und Musical ein Welterfolg, noch heute ist die Trapp-Familie ein Salzburger Fremdverkehrsmagnet.

Das mit den modernen Weihnachtsliedern ist so eine Sache. Die Rundfunksender fühlen sich bemüßigt, in der Adventzeit hauptsächlich Songs mit weihnachtlichem Bezug zu spielen. "Last Christmas I gave you my heart, but the very next day you gave it away. This year, to save me from tears, I’ll give it to someone special . . ." Ich kann es nicht mehr hören. Eigentlich ist es gar kein Weihnachtslied, sondern eine tragische Herz-Schmerz-Geschichte, die sich auch an einem anderen Festtag abspielen könnte.

Da ist mir noch der Weihnachts-hit von José Felicano lieber: "Feliz Navidad, prospero año y felicidad / I wanna wish you a merry Christmas from the bottom of my heart." Das ist der gesamte Text, schlichte Weihnachts- und Neujahrswünsche, x-Mal wiederholt und lebenslustig in zwei Sprachen vorgetragen, nicht mehr und nicht weniger, aber damit ist gesagt, was gesagt werden soll.

Aussagekräftiger ist ein Lied von John Lennon und Yoko Ono. "So this is Christmas and what have you done? Another year over and a new one just begun." Es ist im Grunde genommen ein familiäres Neujahrslied. "I hope you had fun, the near and the dear ones, the old and the young." Dann der Wunsch, dass das neue Jahr ein gutes sein möge, "without any fear." Ab der nächsten Strophe wird das Lied zu einem Protestsong, ein Kinderchor, der Harlem Community Choir, singt eine Gegenmelodie. "War is over, if you want it. War is over now."

Das Lied wurde zu Zeiten des Vietnamkriegs geschrieben. Es passt auch zu den kommenden Festtagen.