Stimmt, es ist Advent. Da wartet man eben. Allerdings eigentlich auf die Ankunft von dieser Weihnachtsperson. Also wahlweise auf das Christkind oder den Weihnachtsmann. Andererseits heißt das lateinische "adventus" übersetzt einfach nur "Ankunft". Wer da kommen soll, wird nirgends erwähnt. Und warten tut man heutzutage eh auch nimmer. Man steigert vielmehr die Vorfreude. In dem Fall halt auf die Geschenke. Oder darauf, dass Weihnachten dann endlich wieder vorbei ist.

Am Mittwoch bin ich nach der Physiotherapie jedenfalls zu einer kleinen Warteinsel mit Zuganbindung rübergehumpelt und hab ausgiebig meine Vorfreude auf die Ankunft vom 44er gesteigert. Wie lange, kann ich nicht genau sagen. Am Anfang sind zumindest 16 Minuten angezeigt worden. Die sind nach circa 20 Minuten auf zehn geschrumpft. Das nächste Mal, als ich hingesehen habe, weil mir die zehn Minuten schon verdammt lang vorgekommen sind, ist da plötzlich "11" gestanden. Kein Wunder, dass die Straßenbahnen so oft Verspätung haben. Die Wiener Linien sollten vielleicht einmal ihre spinnerten Anzeigen reparieren. Die Fahrer wissen ja nimmer, wie schnell sie fahren sollen, um zur richtigen Zeit in der Station einzulangen.

Immer mehr Wartende, Tschuldigung: Vorfreuer, haben aufgegeben. Weicheier. Und ich? Hab derweil ein bissl Gymnastik gemacht: Zittern. (He, kann man damit die Muskeln aufbauen?) Hm. Sollten die nicht schön langsam einen Schienenersatzverkehr einrichten? Dabei wollte ich doch bloß das nächste Türchen öffnen. Vorzugsweise das vom 44er. Wenn die gleich hingeschrieben hätten: "35 Minuten", wäre ich zu Fuß gegangen. Nämlich zurück ins Ambulatorium. Ach, und hätte es als - immerhin beheiztes - Wartehüttl genutzt? I wo. Ich hätte mich dort umgezogen, wäre wieder in mein Trainingsgewand geschlüpft. Und heimgejoggt. Äh, und wer hätte später meine Straßenkleidung aus dem Spind geholt? Außerdem joggt es sich mit einer Fußsenkerschwäche eher suboptimal.

Ob die lediglich Strom sparen, die Wiener Linien? Und deshalb die Intervalle verlängert haben? Nein, angeblich haben sie zu wenig Personal. (Die werden in ihrer Not doch wohl nicht diesen Godot als Fahrer engagiert haben?) Dazu kommen noch Grippe und Corona. "Das halbe Land / im Krankenstand" reimt die "Kronen Zeitung" am Donnerstag auf der Titelseite. Und die andere Hälfte? Freut sich auf die Straßenbahn vor? Na ja, oder auf die Ansteckung. Als ich kurz davor war, mir ein Taxi zu rufen ("Du, Heinz, kannst mich abholen? Die Straßenbahn bahnt ned"), meine Finger aber sowieso zu steif zum Tippen waren: Ankunft 44er. Juhu! Drin war’s wie im Kühlschrank (bleibt das Fleisch wenigstens länger frisch, altert man womöglich weniger rasch). Und der Sitz war echt nix für Warmsitzer. Nur noch den einen Wunsch hatte ich ans Christkind: Bitte schenk mir keine Blasenentzündung zu Weihnachten.

Plötzlich ist Superman zugestiegen. Hat sich ziemlich gehen lassen, der Typ. Hat jetzt die Figur vom Weihnachtsmann. Oh, verstehe: Lieferprobleme bei Weihnachtsmannkostümen. Und das S auf dem ramschigen Polyesterumhang steht für "Santa". Oder für "Superspreader"? Schließlich hat Super-Claus keine Maske getragen. Wahrscheinlich ist der schuld daran, dass ich eine halbe Ewigkeit auf den 44er warten hab müssen.