Ob wir dieses Jahr zu Weihnachten nicht vollkommen auf den Stress verzichten wollen und uns einmal ganz einfach absolut gar nichts schenken, außer der puren Freude natürlich, einen stillen Abend lang beisammen zu sein, Weihnachten wie früher ganz ohne Kauf- und Konsumzwang, einfach nur den Karpfen kochen und die Kekse essen, das wäre doch was, schreibt meine Tochter aus Berlin. Ich kämpfe mich gerade durch die Mariahilfer Straße, als mein Handy mit der Nachricht kommt. Ungläubig starre ich auf das Display. Links und rechts baumeln mir die prall gefüllten Einkaufstaschen von den Ärmeln. Weihnachten ganz ohne Geschenke? Weiß echt nicht, ob mir das gefällt.
Hat wahrscheinlich mit einer frühkindlichen Prägung zu tun, meint meine Frau, die aber grundsätzlich immer gleich alles, was auf der Welt passiert, mit meiner frühkindlichen Prägung zu verstehen versucht. Wahrscheinlich als Kind unterm Christbaum zu kurz gekommen, stichelt sie weiter, und dass sich eine derartige Behauptung nicht unbedingt positiv auf den vorweihnachtlichen Familienfrieden auswirkt, das beginnen wir jetzt allmählich auch zu begreifen.
Wenigstens haben wir uns auf das Festmenü geeignet. Es wird Roastbeef geben und warum ausgerechnet Roastbeef, das wissen meine Tochter und der liebe Gott allein. Kaum sind die Kinder groß geworden, schon drehen sie dir den Heiligen Abend um. Besonders wenn die Frau freundlich dabei mitspielt. Das sagt dir vor der Hochzeit auch keiner. Dafür konnte ich letztendlich doch noch die Geschenke retten. Ist eine Mischung aus gutem Beispiel und knallharten Argumenten gewesen.
Ich brauche nichts und habe alles, zitiert meine Frau aus der Weltgeschichte und will gleich darauf wissen, wessen Mantra das gleich nochmal beim großen Wohnungsputz im Frühjahr gewesen ist. Kein Problem, da halte ich es wie in der hohen Politik. Erstens nämlich habe ich das ganz sicher nicht gesagt, zweitens wenn schon, dann auf jeden Fall nicht so, und drittens, was bitte soll falsch an einer feinen Flasche Whiskey sein, auch wenn man alles andere angeblich eh schon hat?
Es geht um Schnaps oder Socken, sage ich, quasi die Mindestforderung für einen gelungenen Abend unterm geschmückten Baum. Klar kann man sich absolut nichts schenken. Aber was ist schon das absolute Nichts? Nichts gibt es doch gar nicht, sagt die Quantenphysik. Und ich zum Beispiel verstehe nichts von Quantenphysik. Aber diesen Satz begreife ich schon.