Viele haben dieses Mal Weihnachten im Bett verbracht, nicht mit Corona, sondern mit

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Influenza. Simone hat auf Facebook ein Foto gepostet: "Wenn die halbe Familie krank ist, darf sich das Kind sein Weihnachtsmenü ganz allein aussuchen." Man sieht sie in einem Auto, schmunzelnd beißt sie in einen Hamburger, den sie eben aus dem braunen Papiersackerl herausgeholt hat. "Das Kind" ist Ärztin, sie steht zurzeit ohnedies unter Dauerstress, nun auch das noch.

Ein Boulevardblatt kam vor wenigen Tagen mit dem Aufmacher "Grippe statt Krippe" heraus. Bei Simone war es "Hamburger statt Weihnachtskarpfen", aber das ist kein Wortspiel. Mich hat der Zeitungsaufmacher an eine Meldung in einem anderen Boulevardblatt erinnert. Es ist schon einige Jahre her, jedenfalls war es vor der Pandemie. Die Überschrift der Meldung lautete: "Irrer wollte Grippe auf Petersplatz zerstören." Darunter stand: "Großer Aufruhr auf dem Petersplatz. Ein verwirrter Mann hatte die Sicherheitsschleusen umgangen und stürmte auf die Grippe im Vatikan zu. Ziel: Er wollte die Figuren zerstören. Die Polizei konnte ihn festnehmen."

Die Verwechslungen zwischen G und K, zuletzt absichtlich, damals wohl unabsichtlich, werfen ein

Schlaglicht auf ein Phänomen unserer Mundart. Folgt im Anlaut auf K ein Konsonant, sprechen wir ein G. Wir sagen also: Eam is da Gnopf aufgaungan. Gnopf und nicht Knopf! Gnopf wird übrigens mit langem o gesprochen. Nach demselben Prinzip heißt es Glumpat, Gnedlsuppm, Grachal etc. Und der Wiener braucht "um sölig zu sein, / zwa Fied’ln, a Glampfm, a Maurerglavier" und natürlich den heurigen Wein.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn im Anlaut auf K ein Vokal folgt. Dann sprechen wir auch ein K. Wir sagen: Da Kopf wiad da ned ogrissn wean. Kopf!

Diese Gesetzmäßigkeit kennt nur eine einzige Ausnahme von der Regel: Wenn der Wiener das Gefühl hat, das Wort ist aus einer anderen Sprache entlehnt, dann spricht er fast immer ein G, obwohl ein K zu erwarten wäre.

Das berühmteste Beispiel ist ein beliebtes Heißgetränk. An der Aussprache scheiden sich die Geister: Die einen hassen den Gaugau und bestehen auf der Aussprache Kaukau, die anderen lieben die Aussprache mit den weichen Konsonanten, vielleicht auch deshalb, weil sie das an ihre Großmutter erinnert.

Genauso funktioniert der Gawalierspitz, ein beliebte Rindfleischsorte, die so wie der Tafelspitz in der Suppe serviert wird und offensichtlich nur für Kavaliere bestimmt ist. Auch die heutige Jugend hat das Prinzip verinnerlicht. "Moch ma a Gickal!" ist der Aufruf zu einer kurzen, lustvollen Partie, ein schlechter Fußballer ist bei Mundartsprechern "a Hundsgicka" - von englisch to kick. Wenn Helmut Qualtinger den Herrn Karl mimte, sagte er nicht "die Amerikaner", sondern "de Amarigana" - ein g im Wort-

inneren.

Somit ist klar, warum man mit Grippe und Krippe ein Sprachspiel konstruieren kann. Und weil ich grad so in der Mundart drinnen bin, schließe ich mit den Worten: I winsch eich a glicklichs neigs Joa!