Das Ende ist nah. Ach so, nein, anscheinend hab ich es irgendwie verpasst und es war längst. Keine Sorge, Silvester ist heuer nicht vorverlegt worden, damit dieses Horrorjahr (Ukraine-Krieg, Teuerung, die Queen ist tot - und der Abalone-Meeresschnecke ist auch schon ganz schlecht) endlich vorbei ist. 2022 verendet noch immer planmäßig am Samstag um Mitternacht. Vielmehr hat dieser Alphavirologe von den Deutschen verkündet, dass es mit der Pandemie aus ist. Echt? Dass er sich nach fast drei Jahren von ihr scheiden lässt? So ähnlich.

Die Pandemie hat jedenfalls offenbar fertig. (Hoffentlich hat das Corona-Virus das Drosten-Interview ebenfalls gelesen und weiß jetzt, dass es sich gefälligst über die Häuser hauen soll.) Oder hat sie lediglich in Deutschland fertig und bei uns nur zu zehn Prozent? Schließlich rechnet man die Zahlen vom großen Nachbarn in der Regel auf Österreich um, indem man sie kurzerhand durch zehn dividiert. Wurscht. Ich riskier’s einfach und kauf mir ein Leberkässemmerl. Und verputze es erstmals seit Februar 2020 gleich auf dem Nachhauseweg, ohne mir vorher die Hände zu desinfizieren? Man beachte das Fragezeichen. Da ist kein Punkt am Schluss des Satzes, wohlgemerkt. Weil ich so mutig auch wieder nicht bin. Aber das Semmerl muss daheim nicht mehr fünf Tage in die Jausenbox in Quarantäne, bis es dann eh zu kalt ist, um es noch runterzukriegen.

Es stimmt nämlich schlichtweg nicht, dass in China die striktesten Corona-Regeln der Welt gegolten hätten. Ich hatte viel strengere. Zumal ich nicht bloß eine Null-Covid-Politik verfolgt habe, sondern außerdem eine Null-Schnupfen-Politik. Von der kann ich vermutlich schön langsam abkehren, nun, wo nimmer das C-Virus das Problem ist, und kann mir meine Leberkässemmel ohne FFP2-Maske vom Billa holen. Und am besten eine Riesenpackung Taschentücher dazu. Denn erst, wenn ich einen Schnupfen habe (einen normalen, keinen mit Corona infizierten), ist wieder alles beim Alten. Schnupfen bedeutet Freiheit. Ich sollte mir vielleicht vorher noch gschwind in der Apotheke Nasentropfen und Hustensaft besorgen, um die wiedergewonnene Freiheit gebührend feiern zu können.

He, importieren uns die Chinesen nicht grad wieder die Pandemie? Immerhin probieren die eine neue Strategie aus: Herdenmorbidität. Im Gegensatz zur überall gescheiterten Herdenimmunität soll die Herde sichtlich nicht mehr für die Gesundheit des Einzelnen sorgen (indem sich genug Herdentiere anstecken), sondern möglichst alle krank machen, weil nachher sind die meisten sowieso wieder g’sund. Leider warten die mit dem Verreisen halt nicht so lang.

Wie bitte? Die Pandemie ist weg, dafür haben wir ab sofort eine Endemie? Wollen die mich häkerln? Was soll das überhaupt sein? Na ja, eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, bei der es sich wiederum um eine zeitlich und örtlich begrenzte Verseuchung handelt. Die Endemie ist zeitlich unbegrenzt. (Das im Wort enthaltene Ende täuscht.) Bei der kommt ein Erreger andauernd gehäuft in einer Population vor. In welcher Population in dem Fall konkret? In der Menschheit wahrscheinlich. Äh, heißt das, das ist so etwas wie eine chronische Pandemie? Und sobald die Endemie begonnen hat, ist gar kein Ende mehr in Sicht? Ich will die Pandemie zurück. Die wäre wenigstens irgendwann aus.