Was ist eine Frau? Eine erwachsene Person weiblichen Geschlechts. Und ein Mann? Eine solche männlichen Geschlechts.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

So war es einst: Das biologische Geschlecht wurde bei der Geburt festgestellt, und dabei blieb es. Die Ausnahme waren Frauen in einem männlichen Körper und Männer in einem weiblichen Körper, die sich durch Operation "einer Geschlechtsumwandlung" unterzogen haben, wie wir früher sagten. Hinzu kommen jetzt Menschen, die weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. Dieses "dritte Geschlecht" wird als divers oder inter bezeichnet. Dadurch tauchen neue Fragen auf.

Darf sich jeder sein Geschlecht selbst aussuchen? Die Antwort ist nein. Wer das will, muss Fachgutachten vorlegen. Gibt es eine gefühlte Geschlechtsidentität, die mit der Biologie nichts zu tun hat? "Aktuell ist das ein Modetrend", schreibt eine Mutter in einem Posting. "Allein in der Klasse meiner Tochter waren plötzlich vier Mädchen keine Mädchen mehr, sondern einmal dieses und dann jenes. Mittlerweile sind doch alle wieder Mädchen. Dieser Hype geht vorbei." Die mediale Diskussion dürfte vor allem bei Pubertierenden zu einer Irritation führen.

Wie reagieren Wörterbücher auf die neue Sachlage? In Großbritannien haben sich die Redakteure mit der Definition von "male/female" und "man/woman" herumgeschlagen. "Merriam-Webster" definierte im vorigen Sommer das Wort "female" neu, ziemlich linkisch, wie ich meine: "eine Geschlechtsidentität haben, die jener der Männer entgegengesetzt ist." Da werden sich alle Frauen im englischen Sprachraum gefreut haben, dass ihr Geschlecht über die Männer definiert wird. Wea koa Bua ned is, des is a Madl (© Attwenger).

Das "Cambridge Dictionary" schlug später bei der Definition von "woman" einen anderen Weg ein. Die Hauptbedeutung lautet nach wie vor "eine weibliche erwachsene Person". Darunter steht eine zweite Bedeutung, ich übersetze wieder gleich ins Deutsche: "Eine Frau ist eine Erwachsene, die als Frau lebt und sich als solche identifiziert, auch wenn ihr bei der Geburt ein anderes Geschlecht zugewiesen wurde." Das "Dictionary" schiebt Beispielsätze nach: "Sie war die erste Transfrau, die in ein nationales Amt gewählt wurde." Und: "Mary ist eine Frau, der bei der Geburt ein männliches Geschlecht zugewiesen wurde." Die Eintragung bei "Mann" lautet: "Mark ist ein Transmann, dessen Ärzte ihn ermutigt haben, eine Zeit lang als Mann zu leben, bevor er sich operieren lässt." Einige dieser Beispielsätze deuten an, dass es völlig egal ist, ob "die geschlechtsangleichende Maßnahme", so die medizinische Bezeichnung heute, bereits stattgefunden hat oder erst stattfinden wird. Außerdem wird das Geschlecht bei der Geburt nicht willkürlich "zugewiesen", sondern "festgestellt". Neu ist auch "Geschlechtsidentität" statt "Geschlechtszugehörigkeit".

Die Änderungen bedeuten eine Loslösung von der Biologie, wobei die Herausgeber beteuern, dass sie keine Politik machen wollen. Ich habe kein Problem damit, wenn Ellen ab morgen Elliot genannt werden will. Mich stören Wörterbücher, die im Voraus gewohnte Sprache ändern wollen.