Vielleicht ist es Ihnen auch aufgefallen: Die neue Moderatorin des Neujahrskonzerts, Teresa Vogl, hat bei der Ankündigung einer Ouvertüre den Namen des Komponisten ungewohnt ausgesprochen: Franz von Suppè! So lautete auch die Schreibweise im Insert. Wir waren hingegen ein anderes Schriftbild und eine andere Aussprache gewohnt: Suppé.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Dazwischen liegen Welten. Die traditionelle und weit verbreitete Schreibung mit Accent aigu führt zu einer Aussprache mit geschlossenem e, vergleichbar mit dem e im deutschen Wort See. Sie wurde mit der angeblich belgischen bzw. österreichisch-niederländischen Abstammung des Komponisten begründet. Da und dort wurde auch darauf hingewiesen, dass in der Taufbucheintragung auf jeglichen Akzent verzichtet wurde - irrtümlich: Francesco Ezechiele Ermenegildo de Suppe.

In den Briefen und Notizbüchern, genauso auf Notenblättern und Textbüchern schrieb sich der "Vater der Wiener Operette" aber immer mit italienischem Accent grave: Franz von Suppè. Er und seine Familie hatten sich mehr als einmal zu ihren Wurzeln bekannt, wie der Suppè-Forscher Andreas Weigel 2019 publizierte. Suppè, geboren in Split, hatte auch einige Vorfahren aus Rijeka/Fiume. Sie alle schrieben sich Suppè, was zu einer Aussprache mit einem offenen e-Laut wie in Schmäh führt. Schwierigkeiten könnte uns der Konsonant bereiten: Das pp in dem italienischen Namen des Komponisten wird anders gesprochen als das deutsche pp in Suppe. Damit es italienisch klingt, muss der Verschluss des Konsonanten länger angehalten werden.

Probieren Sie es aus!

Vor allem in Deutschland sind xenographische Aussprachen üblich - als Xenographie bezeichnet man die Praxis, Fremdwörter wie im Original zu schreiben, aber so auszusprechen, wie wenn es deutsche Wörter wären. Bekannte Beispiele sind Colgate und Micheline. Wenn Österreicher im Fernsehen Werbespots mit eingedeutschter Aussprache hören, stehen ihnen die Haare zu Berge. Die Habsburgermonarchie war ein Vielvölkerstaat, und heute grenzt Österreich nicht nur an slawische Länder und an Ungarn, sondern auch an Italien.

Die sprachliche Weltoffenheit ist uns erhalten geblieben, und italophil sind wir alle, wenn wir in Wien in die Oper gehen oder ins italienische Restaurant, und natürlich auch im Urlaub. Wir sollten daher den Namen des Komponisten so aussprechen, wie er es selbst getan hat, wobei in diesem Fall nicht nur die Aussprache lange Zeit falsch war, sondern auch die Schreibung.

Teresa Vogl kann man Mut bescheinigen, dass sie in der Moderation den Komponisten der Operette "Isabella" korrekt artikuliert hat.

Als im Internet Proteste laut wurden, veröffentlichte sie auf ihrer Facebook-Seite eine Notiz: "Wir haben die Causa Suppè im Vorfeld ausgiebig redaktionell diskutiert und uns dann für die Aussprache des Namens nach neuestem Stand der Wissenschaft entschieden - mit offenem e am Ende. Während der Live-Sendung war bedauerlicherweise keine Zeit, dies zu erläutern."

Dies habe ich hiermit nachgeholt.