Gejagt darf in Frankreich auch zukünftig werden - nur betrunken sollte man dabei nicht sein. Jenny Berger-Désoras: "Chasseur et son chien devant un château", Öl auf Leinwand, 1823. 
- © Jenny Berger-Désoras, Public domain, via Wikimedia Commons

Gejagt darf in Frankreich auch zukünftig werden - nur betrunken sollte man dabei nicht sein. Jenny Berger-Désoras: "Chasseur et son chien devant un château", Öl auf Leinwand, 1823.

- © Jenny Berger-Désoras, Public domain, via Wikimedia Commons

Guten Tag! Sind Sie wohlbehalten im neuen Jahr angekommen, von dem Sie annehmen können, dass es das beste Ihres Lebens wird? Ja? Ich nicht. Es könnte alles aber auch noch weitaus besch... eidener sein. Zum Glück bin ich etwa kein französischer Jäger. Den Waidmännern der Grande Nation soll es in Zukunft verboten sein, betrunken auf die Pirsch zu gehen. Wobei die Gefahr der zuletzt wieder gehäuft auftretenden Jagdunfälle bereits mit der Androhung von Strafen reduziert werden soll.

Aus Jägerperspektive handelt es sich dabei natürlich um einen Skandal. Oder um es wie ein echter Franzose zu formulieren: Merde - die haben ja einen Schuss!! Einmal ganz davon abgesehen, dass sich das Land ökonomisch nichts Gutes tut, wenn es den Absatz gekelterter nationaler Kulturgüter aus dem Burgund oder der Champagne ebenso gefährdet wie jenen seiner über die Landesgrenzen hinweg beliebten flüssigen Nachspeisen (Cognac, Armagnac ...), die gerade in einer Winternacht im Wald wohlig wärmen - abgesehen also davon, dass man eine ganz Branche von ihren besten Kunden entwöhnt, sind die Pläne der Regierung bereits im Vorhinein so gut wie gescheitert. Man muss sich die Situation wie bei einer schadhaften Schrotflinte vorstellen. Peng! Und schon haben wir die Bescherung.

Warum, bitteschön, heißt das Zielwasser eigentlich Zielwasser? Exactement. Das Zielwasser heißt im Wesentlichen deshalb so, weil ein Jäger damit nicht nur genauer trifft. Sind die Hände erst einmal ruhiggestellt und ist der Kopf wieder klar, lässt sich auch viel einfacher identifizieren, was da zwischen den Bäumen eigentlich herumkreucht und -fleucht.

Immerhin ist so ein flinker Fuchs schnell mit einem flotten Mountainbiker verwechselt - oder ein behäbiger Braunbär mit einem pensionierten Schwammerlbrocker. Ja spinne ich, seit wann kann denn ein Damhirsch pfeifen? Und wie hat es der freche Dachs da auf das Moped geschafft? Kurz einen Schluck aus dem Flachmann genommen - und schon sieht die Welt wieder anders aus. Am Ende haben wir es zwar noch immer mit einer ausgesprochenen Sau zu tun, die IN MEINEM REVIER nichts verloren hat, aber deshalb riskiert man im Normalfall auch keine Formalitäten.

Wahrscheinlich muss man im Jägerlatein vorkommende Fachwörter wie die zur Jagd auf Wildschweine gebrauchte "Saufeder" vor diesem Hintergrund einmal ganz anders lesen. Und was wäre so ein zünftiges Kesseltreiben schon, wenn die versammelte Jagdgesellschaft nicht mindestens so bleu wäre wie die französische Fußballnationalmannschaft dem Namen nach? Eben. Aber sagen Sie das einmal Ihrem Hausarzt - oder der Regierung.

Bevor das potentielle Wildbret noch mit dem Waidmann Katz und Maus spielt, scheint der Jagdruf Nummer eins in Frankreich also zu lauten: Aux bouteilles, messieurs! Zu den Flaschen, Männer! Ab morgen wird zurückgesoffen.