Das fängt ja gut an. Diesen Satz kann man so und so lesen - positiv, wenn ernst gemeint. Oder eben negativ, weil mit Ironie, Zynismus oder gar Sarkasmus unterfüttert. Um die wahre Intention zu erkennen, wäre es gewiss hilfreich, den Autor oder die Autorin zu kennen. Und seine/ihre Psychostruktur.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Was aber, wenn der eingangs formulierte Satz von einem Chatbot stammt? Sprich: einem Schreibautomaten mit Künstlicher Intelligenz. Denn dieser Text in seiner Gesamtheit könnte von ChatGPT geschrieben worden sein - der ersten Anwendung von AI (Artificial Intelligence, zu Deutsch eben KI), die es in die "ZiB2" geschafft hat. Könnte er nicht? Darüber streiten die Experten. Jedenfalls ist das Thema schlagartig aufgeploppt, seit ChatGPT - das Anhängsel steht für "Generative Pre-Trained Transformer" - Ende 2022 veröffentlicht wurde.

Software-Ingenieure des Entwicklers OpenAI zählen mittlerweile zu den auch monetär höchst geschätzten Fachkräften der IT-Branche. Und ihr Baby gilt als "the next big thing". Der Branchengigant Microsoft will, so liest man, Milliarden Dollar in die Firma stecken, die einst als gemeinnütziges Forschungslabor ("Werte für alle") gestartet ist. Auch die notorischen Futuristen Elon Musk und Peter Thiel (ja, der aktuelle Arbeitgeber von Sebastian Kurz!) stecken wieder einmal unter den Investoren. Offenbar plant Microsoft, die Künstliche Intelligenz von OpenAI in seine Suchmaschine Bing zu integrieren. Das lässt beim bislang übermächtigen Konkurrenten Google alle Warnlichter angehen.

Warum? Weil die Aussicht auf dialogfähige Bots, mit denen ich mich quasi normal unterhalten und Fragen ohne ausgefuchste Stichwort-Kombinationen stellen kann, eine alte Sehnsucht triggert. Das servile Menscheln von Maschinen! Das gilt übrigens nicht nur für Gespräche, Gebrauchstexte und sogar Gedichte, sondern auch für Bilder und Musik (OpenAI steckt auch hinter den Programmen Dall-E 2 und Musenet). Die frappierenden Resultate der Verquickung von prallvollen Datenbanken mit Deep Learning revolutionieren unsere Kommunikationskanäle.

Meisterleistung oder Mimikry? Sachliche Fehler muss man verschmerzen, das Kind steckt in den Babypatschen. Noch. Dafür beherrscht es schon stilistische Eigenwilligkeiten von Goethe bis Handke. Mittlerweile wurden schon Apps ("GPTZero") entwickelt, die helfen sollen, von Künstlichen Intelligenzbestien verfasste Werke zu enttarnen. Demnächst im Einsatz am Realgymnasium Ihrer Wahl!

Sie können damit letztlich auch prüfen, ob diese Kolumne von einem Roboter oder von einem Menschen aus Fleisch und Blut geschrieben wurde. Gruselig?

Nicht doch. Die von AI-Pionier Joseph Weizenbaum vor einem halben Jahrhundert vorgestellte Software "Eliza" ließ schon damals Menschen rätseln, ob sie sich mit einem echten Gegenüber unterhielten oder doch nur mit einem Computer. Das Programm gilt als erster Chatbot der Informatik. Ich habe seinen Schöpfer einst leibhaftig getroffen und befragt. Und was sprach er? "Erst Interpretation lässt Information entstehen - und das kann nur im Gehirn geschehen. Dass eine Maschine tatsächlich versteht, ist schlicht unmöglich."