Dabei war ich eh so vorsichtig. Damit der Verfassungsschutz nicht auf mich aufmerksam wird, hab ich sogar extra in bar gezahlt statt wie üblich mit der Bankomatkarte. Um keine digitalen Spuren zu hinterlassen. Sonst hätte ich das Zeug ja gleich bei Amazon bestellen können, oder? Die Substanz, die ich gekauft habe, ist zwar nicht illegal (noch nicht), aber man macht sich eben verdächtig. Die Kassierin hat mich sowieso angeschaut, als wäre sie drauf und dran, die Polizei zu rufen. Den Knopf für den stillen Alarm zu drücken. (Haben die so was überhaupt im Drogeriemarkt?)

Jedenfalls hab ich seither das merkwürdige Gefühl, dass ich verfolgt werde. Beschattet. Von einem Wega-Beamten mit Nagellackentferner und Wattestäbchen. Ständig dreh ich mich um und dann ist er immer ganz plötzlich weg. Wahrscheinlich ist er g’schwind in einen Hauseingang gehüpft. Oder duckt sich grad hinter ein Auto. Okay, spätestens jetzt müsste man mich wohl observieren. So nervös wie ich meine Umgebung dauernd scanne. (Also entweder hat die wirklich die Polizei verständigt, oder die überwachen neuerdings die Regale mit dem Sekunden-Pick.) Nicht, dass ich mir auch nur irgendeiner Unschuldsvermutung bewusst wäre. Noch hab ich schließlich nix getan, um das Klima zu retten. Allerdings werde ich. Und dafür brauch ich nun einmal den Superkleber. Weil seit Montag ist Klebewoche.

Die einen kleben am Lenkrad, die andern ihnen im Weg. Zweitere kleben halt nicht hinterm Mond (abgesehen davon, dass es dort mangels Atmosphäre kein Klima gibt), sondern logischerweise vor den Autos. Die sollen sich lieber an der Gewessler festkleben? (Denn die ist immerhin die zuständige Ministerin. Die ist fürs Klima zuständig, das derzeit offenbar im Wechsel ist, Hitzewallungen hat.) Andererseits kann ein furzendes Auto in Wien durchaus schuld daran sein, dass in den Tiroler Bergen kein Schnee fällt und deshalb die wichtigste dortige Spezies vom Aussterben bedroht ist: der Skifahrer. (Schon einmal was vom Schmetterlingseffekt gehört?) Bei SUVs die Luft aus den Reifen zu lassen (ist das nicht erst recht schlecht fürs Klima, wenn die in die Atmosphäre gerät, weil: SUV, bitte), das geht mir freilich zu weit. Wobei die natürlich einen besonders großen Koffer hinstellen, die SUVs, und nachher Fahrerflucht begehen. (Koffer: eine Metapher für Darmwinde. In dem Fall eben für andere Abgase.) Irgendwann werden die SUV-Besitzer womöglich zurückschlagen. Und das mit den parkenden Fahrradln genauso machen (pffff! - ätsch). Oder sich auf die Radwege picken.

He, ab sofort bin ich anscheinend eine Klima-Kleberin. Nein, auf dem dreckigen Asphalt werde ich mich trotzdem nicht fixieren. Als lebender Kaugummi. Bzw. Sticker. Da bräuchte ich vorher eine Tetanus-Spritze, hallo? Außerdem hat mir meine Mama beigebracht: In einem Monat mit einem r drin setzt man sich nicht auf den blanken Boden. Und wofür hab ich mir dann den Sekundenkleber besorgt? Für meine Lieblingsschuhe. Bei denen löst sich nämlich die Sohle. Und wenn ich sie reparieren kann und keine neuen Schuchis wegen mir produziert werden müssen, schicke ich das Paar, das ich mir in der Zwischenzeit im Internet bestellt habe, sofort wieder zurück. Versprochen. Ach, eventuell behalte ich’s doch. Diese Retouren stoßen ja so viel CO2 aus.