Österreich ist jetzt auch im Weltall. Denn die Mars-Spezialistin Janice L. Bishop, die auf der Suche nach außerirdischer Intelligenz ist, hat am Mars keine gefunden. Dafür aber zwei Krater und diese Einbuchtungen auf dem roten Wüstenplaneten nach Enns und Steyr benannt. Ob damit die Städte oder die Flüsse gemeint sind, bleibt im Dunklen des Weltalls.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Das war eine Meldung dieser Woche. Eine andere war, dass die Untersuchung einer in Bernstein eingeschlossenen Blüte abgeschlossen ist und ergeben hat, dass dieser in Harz konservierte Pflanzenteil stolze 35 Millionen Jahre alt ist. Nicht schlecht. 35 Millionen Jahre. Eine Marke, die die Menschheit wahrscheinlich nicht reißen wird. Trotzdem - so war auch diese Woche zu lesen - junge Menschen die Lebensgrundlagen der Menschheit erhalten wollen und deshalb auf der Wienzeile neben dem Naschmarkt den Verkehr aufgehalten haben. Was den Unmut der Blechschüsselbeweger auf sich gezogen hat. Überleben - das zeigt die Blüte im Bernstein - geht anders: Wer zukünftigen Generationen etwas mitgeben will, sollte sich lieber in Kunstharz eingießen lassen, das hat mehr Aussichten auf Erfolg.

Vielleicht wäre das überhaupt eine Idee: Man nehme einen durchschnittlichen, überdimensionierten "Schützenpanzer unseres Verdrängungswettbewerbs" (SUV) mit allen Zusatzprodukten und Applikationen, die der Mensch Anfang des 21. Jahrhunderts so dringend braucht. Also mit Handy und Laptop und Schnitzel und Magic-flavored-chai-latte-XXL-Becher. Dazu noch Klamotten aus hochgiftiger Produktion aus dem globalen Süden für Männchen und Weibchen, weiters überteuerte Beautyprodukte mit viel Palmöl und Avocadobutter drinnen und fünf Kilo Steaks aus Argentinien auf einen Flatscreen genagelt, und dann gießen wir das alles in Kunstharz ein. Ein glänzendes Zeugnis unserer Zeit, bewahrt für die nächsten Jahrtausende. Oder länger.

Wenn das dann zukünftigen Generationen nach 35 Millionen Jahren - wenn die Erde sich bis dahin wieder abgekühlt hat - finden, haben sie auch eine leise Ahnung, wie dieser enorme Anstieg von Temperatur und Kohlendioxid in der Atmosphäre zustande gekommen ist.

Und dann werden die Wissenschafter lachen und sagen: Ach, diese Deppen waren das!

Dabei ist das ungerecht, weil so blöd waren wir gar nicht. Nein. Wir haben schon gewusst, was wir tun. Zumindest die entscheidenden Leute wussten es. War auch diese Woche zu lesen: Exxon mobile hat schon in den 70er Jahren von der Erderwärmung gewusst.

Klar, wer erfindet in seinen PR-Büros den verharmlosenden Begriff "Klimawandel" für Welterhitzung, wer zahlt denn die drei Promille der Wissenschafter, die meinen, das wäre gar nicht so sicher mit der Klimaerwärmung, wer steckt denn so viel Geld in Entscheidungsträger und Gegenpropaganda, wenn nicht die Erdölfirmen, die Bescheid wissen?

Aber mei, wenn erst mal die Sommer so heiß sind, dass auch der letzte Gletscher verschwunden ist und die Flüsse nur noch so aussehen wie die Wadis in der Sahara, dann sieht man sich um in so einem ausgetrockneten Flussbett der Enns oder der Steyr und weiß gar nicht: Ist man jetzt noch auf der Erde oder schon am Mars? Aber dann entdeckt man ein altes Wahlplakat "Muttersprache: Niederösterreich" und ahnt: Es ist wahrscheinlich der Mars hier. Aber egal, Hauptsach’: daham.