Zwoa Brettln, a g’führiger Schnee, juché! Ich gehöre ja einer Generation an, die Skifahren als Grundsportart quasi von Kindsbeinen an verinnerlicht hat. Man hat das damals, in den 1960ern, 1970ern, 1980ern nicht wirklich in Frage gestellt. Im Gegenteil: Konnte sich eine Mitschülerin oder ein Mitschüler (respektive die Altvorderen) den Anfängerkurs oder die Skischulwoche nicht leisten, sprang solidarisch der Elternverein ein. Alle sollten mitmachen. Tatsächlich brachte der obligate jährliche Ausflug ins Gebirge Abwechslung, Spaß und Spannung mit sich: Würde wieder jemand mit einem Gipsfuß nach Hause fahren? Oder gar, wie der schneidige Sportlehrer, mit einer Alkoholvergiftung?

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Dieser Typus von alpinem Volks-Entertainment ist aus der Mode gekommen. Man muss das in aller Deutlichkeit sagen: Erst liefen die Snowboarder den Skifexen den Rang ab, dann machten sich zunehmender Kostendruck, Überdruss und Sinneswandel breit - und am Schluss war die Frage, wer am Schulskikurs oder der Gruppenbusfahrt teilnehmen wolle, eine Minderheitenzählung. Nun muss ich Ihnen nichts über den Klimawandel oder die aktuelle Wetterlage erzählen, um den Status quo zu illustrieren: Die Medien wimmeln vor Bildern, wo ein paar Unentwegte auf schmalen, weißen Streifen aus Kunstschnee durch eine sonst grasgrüne oder matschbraune Landschaft rutschen. Man hat augenblicklich Mitleid mit den ausgebremsten Sportskanonen.

Touristikfachleute rätseln, wie lange das noch gut gehen wird, gut gehen kann. Bei den Skiliftkaisern macht sich trotzige Realitätsverweigerung breit. Und die Wintersportindustrie? Ich muss ja immer ein wenig lachen, wenn bunte Prospekte von Sporthandelsketten im Briefschlitz stecken: Da tut man so, als wäre nix los da draußen. Oder, ganz im Gegenteil: Business as usual. Und gerade die Skihersteller werfen weiterhin mit High-Tech-Floskeln, Modeetiketten und Wortschöpfungen um sich, die Rasanz und Innovation vermitteln sollen: "Power Woodcore", "Air Carbon Titanal", "Anti Friction Slider", "Wave Flex Technologie" und so weiter und so fort. Als Laie hat man natürlich nicht die geringste Ahnung, was mit diesem notorischen Name-Dropping gemeint ist, aber es klingt, als könne man mit all dem Zeug selbst als Schneepfluganfänger dem österreichischen Nationalteam aus der Patsche helfen. Je weniger Schnee, Skienthusiasmus und Zukunftsperspektiven, desto geiler das Marketing-Stakkato von Head, Atomic, Fischer, Salomon, Rossignol, Völkl, Blizzard & Co.! Irgendwie erinnert das an die Autobranche: Man übertrumpft einander gegenseitig mit Rennboliden und Riesen-SUVs, während das traditionelle Geschäftsmodell rund um den Verbrennungsmotor (oder gar den Individualverkehr insgesamt) zunehmend ins Wanken gerät.

Was wurde eigentlich aus den tausend Skiinstruktoren in China, die noch 2019 von österreichischen Skilehrern ausgebildet werden sollten und ein Tourismuspotenzial von 300 Millionen Chinesen auf g’führigen Brettln eröffnet hätten (zumindest in den Visionen diverser Funktionäre und Fantasten)? Okay, dann kam Corona. Wie heißt es so trefflich? Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.