Zuerst hab ich ja bloß gedacht: Unser Bürgermeister, der Michael Ludwig, hätte sich halt gendern lassen. Transgendern. Und hätte das überall in "seiner" Stadt, die zugleich ein Land ist, plakatieren lassen: "Unsere Landeshauptfrau." Damit man ihn in Zukunft erkennt und nicht umgehend aus dem Rathaus schmeißt. Wegen Amtsanmaßung. Aber warum hat er sich ausgerechnet zur Johanna Mikl-Leitner umoperieren lassen? Zu einer, die ihren Hauptwohnsitz irgendwo in Niederösterreich hat? Ist das nicht ein bissl zu extrem?

Doch dann wollte ich in der Trafik bei mir in der Gegend (auf Wiener Boden, wohlgemerkt) eine "Wiener Zeitung" kaufen. In der Früh war nämlich keine auf meinem Fußabstreifer gelegen (ich hatte sogar darunter nachgeschaut), und ich hatte schon befürchtet, die Printausgabe wäre womöglich bereits jetzt eingestellt worden. Der Trafikant hatte auch keine. Dafür jede Menge Exemplare der "NÖN". Der "Niederösterreichischen Nachrichten"? Und auf einmal ergab alles einen Sinn. Das ist überhaupt nicht der Ludwig. Das da auf den Plakaten ist eh die Mikl-Leitner. Ach, und der Plakatkleber hat sich lediglich in der Adresse geirrt? Schließlich wählen am 29. Jänner nicht die Wiener. I wo, das ist offenbar ein Putsch. Die Niederösterreicher haben in Wien die Macht übernommen. (Jemand sollte das vielleicht dem Ludwig sagen.) Oder erheben zumindest Gebietsansprüche. Und die 200.000 Pendler sind nur die Vorhut. Am besten also, wir errichten schleunigst . . . eine Tür mit Seitenteilen.

Okay, Wien liegt ohnehin in Niederösterreich. Geografisch. Und nun wollen anscheinend irgendwelche Nostalgiker, dass es wieder die Hauptstadt des flächengrößten Bundeslandes wird. Und dabei zwar noch gleichzeitig die Hauptstadt vom Rest von Österreich bleibt, freilich nimmer die von sich selbst ist. Terrorisieren tun sie uns wahrscheinlich sowieso schon seit Jahren, die Niederösterreicher. Jedenfalls hab ich die inzwischen in Verdacht, dass sie für diese gelb-blauen Tonnen verantwortlich sind. (Gelb und Blau: die Landesfarben von denen, hallo?) Echt? Die haben die 18.300 Stück heimlich, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, über die Stadtgrenze gerollt? Na ja, oder den Designer eingeschleppt. Und seit wir neuerdings sämtliche Plastikverpackungen bis hin zum Zuckerlpapierl und zur "Sortiereinlagetasse" aus der Keksschachtel in besagter Tonne deponieren sollen, wird mir erst das ganze Ausmaß dieses Terrors bewusst.

Da starren mich unlängst diese blauen Glubschaugen an und mir ist schlagartig klar, dass ich meinen prallen Sack wohl nicht durch diese kleinen Pupillen quetschen werde können. Äh, ich soll alles, was ich brav daheim gesammelt habe (sogar das fettige Einwickelpapier von der Butter), einzeln durch die Löcher . . .? Und den Müllsack (Plastik = gelb-blaue Tonne) stopf ich später nach? Mach ich sicher nicht. Nicht ohne Gummihandschuhe (= Restmüll). Tja, irgendwas müssen wir eben noch in die Restmülltonne werfen, oder? He, wie wär’s, wenn man einfach Letztere zur gelb-blauen Tonne umfunktionieren würde?

Am Donnerstag war die "Wiener Zeitung" wieder auf meiner Dacke. Juhu. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn dort stattdessen die "NÖN" gelegen wären. Weil: Darf man die eigentlich in einem Wiener Altpapiercontainer entsorgen? Oder hätte ich dafür nach Klosterneuburg fahren müssen?