Das Politik-Business ist hart und kräftezehrend, wie gerade der Rücktritt von Jacinda Ardern in Neuseeland zeigt. Auch die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel antwortete auf die Frage, was sie denn nach 16 Jahren Kanzlerschaft als Erstes zu tun gedenke: Ausschlafen.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Aber irgendwann sind die ehemaligen Parteichefs und Staatenlenker alle wieder fit und munter und dann merken sie, dass ihnen etwas fehlt. Es haben schließlich nicht alle Ex-Politprofis das Glück von Heinz-Christian Strache, der auch noch lange nach seiner politischen Karriere einen mit Gerichtsterminen gefüllten Kalender hat. Und weil der Homo politicus gewohnt ist, etwas von Bedeutung zu produzieren (Presseaussendungen etwa), sind die Damen und Herren auf der Suche nach Betätigung. Und Bestätigung. Manch einer gerät auf der Suche nach Neuland allerdings etwas vom Weg ab. Aber dank Social Media sind wir mit dabei.

Neos-Gründer Matthias Strolz etwa, Schöpfer des Neuen-Volkspartei-Epitaphs "Elli, es ist vorbei", hat sich jetzt aus Indien gemeldet. Mit einem Video.

Und wie immer bei Strolz wird man mit schönstem Denglisch aus der neoliberalen Wörterküche bedient: Er beginnt mit einem kleinen "heads up" und lässt uns wissen, dass er auf einem "deep dive" war. Womit wahrscheinlich nicht Apnoetauchen gemeint war. Schließlich muss man bei dieser Sportart die Luft anhalten und das ist nicht Strolz’ Lieblingsdisziplin. Im Gegenteil. Er hat gerade einen "kreativen Ausbruch" und "schüttelt sich zurück ins Leben". Bei ihm wären "all doors broken open". Aber nicht nur die Türen sind kaputt, nein, auch "open mind, open heart, open will". Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht, mag sich da der Zyniker denken, Strolz aber sagt: "We’re gonna have universal message there." Universal? Jessas, geht’s nicht noch größer?

Strolz, der sich selbst als "Autor, Speaker und - heuer neu - Künstler" beschreibt, gibt bekannt, dass er jetzt einen "Track" fertig geschrieben habe. Das Album käme bald. Die Tour auch. "Wir werden die Tour in Österreich starten... und vielleicht auch beenden." Das klingt nach der eleganten Umschreibung eines einzigen Auftritts. Aber man weiß ja nichts Genaues. Wer "wir" ist, verrät Strolz nicht und überhaupt sei das Projekt noch "geheim". Logisch, deswegen redet er auch auf Instagram drüber.

Das Video wurde übrigens in Goa aufgenommen. Und Goa ist dafür bekannt, dass sich dort israelische Soldatinnen und Soldaten nach mehrjährigem Militärdienst gerne die traumatischen Erlebnisse aus der Birne kiffen. Strolz ist aber nicht rauchig, sondern "open". Schließlich ist der Mann für viele ja ein Visionär und Coach. Für wenige andere ein stressiger Gschaftlhuber.

Aber vielleicht macht das künstlerische Beispiel Schule und schon bald gibt es die schönsten Panoramabilder von Güterzügen aus dem Atelier von Christian Kern. Oder das berührende Stück Tanztheater von HC Strache "Der rechte Mann und die falsche Frau". Möglicherweise auch bald Eva Glawischnigs autobiografischen Gedichtband "Ich hab gedacht, Novomatic ist ein slowenischer Familienname" und natürlich Sebastian Kurz’ große Oper "Der Heiland" mit ihm selbst in der schweigenden Hauptrolle, während Thomas Schmid im Hintergrund alle Partien singt. Alles ist möglich.

Außer Ruhe geben.