Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".
Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Angeblich lachen Kinder etwa 450 Mal am Tag, Erwachsene etwa 15 Mal am Tag. Diese Zahlen kursieren im Internet, aber ich konnte nicht herausfinden, wer sie erhoben hat. Von der Tendenz her wird es wohl stimmen. Wir, die Erwachsenen, lachen zu wenig. Weil wir nichts zu lachen haben?

Konsequent weitergedacht lachen Jugendliche weniger als Kinder, aber mehr als Erwachsene. Das erklärt auch, warum viele Wörter, die das Lachen ausdrücken, von jungen Menschen erfunden und popularisiert werden. Bei ihnen ist der Bedarf nach solchen Wörtern viel größer als bei Erwachsenen. Auch in der Mundart wird nuanciert. Das beginnt beim kindlichen Giggeln führt uns zu einem schon recht schrillen Kirren bis hin zum schenkelklatschenden "ich hau mich ab".

Wer viel per E-Mail oder SMS kommuniziert, braucht diese Nuancierungen. Es fehlt ja der Blickkontakt zum Gesprächspartner. Deshalb ist im Englischen die Abkürzung "lol" entstanden, sie steht kurz für "laughing out loud", also lauthals lachen. Im Deutschen hat sich ein Zeitwort herausgebildet: "lollen." Was gibts denn da zu lollen? Lass mich halt lollen! Als Erwachsener lolle ich eh viel zu wenig!

Das Kürzel selbst wird im Deutschen oft mit einem Umlaut versehen: aus "lol" wird "löl" oder "lül". Manchen gefällt das, weil es ja im Englischen keine Umlaute gibt, es ist also eine Form der Eindeutschung. Die Kürzel "löl" und "lül" signalisieren ein leiseres Auflachen als "lol". Für die Schenkelklatscher ist "mega lol" entstanden.

Doch damit ist die höchste Steigerungsstufe noch lange nicht erreicht. Neben "lol" gibt es auch "rofl". Es steht für "rolling on the floor laughing", übersetzt: sich vor Lachen am Boden wälzen. Manchmal werden die Buchstaben absichtlich vertauscht: aus "rofl" wird "roLf". In der deutschen Jugendsprache ist auch daraus ein Zeitwort geworden: "rofeln" - mit der Weiterbildung "abrofeln": Ich habe mich gestern abgerofelt.

Die allerhöchste Steigerungsstufe ist zurzeit "roflmao". Es steht kurz für "rolling on the floor and laughing my ass off. "Ich fürchte, das ist schwer zu übersetzen, vielleicht am ehesten mit: "sich am Boden wälzend den Arsch ablachen." Aber ich muss zugeben, das ist keine schöne Formulierung.

Ob es die höchste Steigerungsstufe bleiben wird, steht auf einem anderen Blatt. Auf Wikipedia kann man lesen, dass "lol" allmählich verblasst. Es dient oft nur mehr als wohlwollendeZustimmung-im Sinne von: passt schon. Damit muss die Richterskala des Lachens irgendwann einmal nach oben verlängert werden. Was wohl nach "roflmao" kommen wird? Niemand kann es sagen.

Im Übrigen bedaure ich es sehr, dass die heimischen Ausdrücke bei den Abkürzungen keinen Stich machen. Man könnte sich ja ein "izfm" vorstellen: ich zerfrans mich, ein "izbm" für: ich zerbrösel mich, ein politisch nicht korrektes "iznm" für: ich zerneger mich. Oder: "ilvlfab": ich liege vor Lachen flach am Boden.

Die Abkürzungen scheinen im Deutschen nicht zu funktionieren. Sie taugen auch nicht als Material für neue Zeitwörter. So werden wir wohl oder übel mit lollen und mit rofeln leben müssen, und auch mit den Zusätzen und Ergänzungen, die oben draufgepackt werden, damit neue Superlative entstehen.

Nein, ich werde diese Wörter nicht verwenden, aber von Jugendlichen werde ich sie immer öfter zu hören bekommen. Denn die haben ja noch was zu lachen.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Vor kurzem ist im Haymon Taschenbuchverlag sein "Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs" erschienen.