Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".
Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Von wem stammt eigentlich das Wort Basiswappler? Wenn Zeitungen den Ausdruck gebrauchen, fügen sie meist einen scherzhaften Vermerk hinzu: © Karl Öllinger. Gemeint ist der Sozialsprecher der Grünen. Oft wird auch noch darauf hingewiesen, dass sich dieser einst selbst als Basiswappler bezeichnet hat. Aber warum eigentlich? Was war der Anlass?

Ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Oft sind solche Behauptungen ja hartnäckige Legenden. Sie tauchen wie eine Zeitungsente immer wieder auf. Beim näheren Hinsehen ist dann nichts Wahres dran.

Erste Station der Recherche: Karl Öllinger. Ich will wissen, in welchem Zusammenhang er den Ausdruck erstmals verwendet hat. Am Telefon erzählt mir der Nationalratsabgeordnete, wie es dazu gekommen ist.

Die Grünen standen mitten im Nationalratswahlkampf 1994. Sie hatten sich vorgenommen, einen witzigen Werbespot zu drehen. Schon von der Machart her sollte er ganz anders sein als die Belangsendungen der Großparteien. "Der Kabarettist Thomas Maurer hat uns dabei geholfen. Wir sind am Vorabend beisammengesessen und haben Witze gemacht. Es war ein großer Spaß." Den Grünen ist es damals darum gegangen, die

platitüdenhafte Berichterstattung in den Medien zu persiflieren.

Zweite Station: Recherche im Archiv. Als einzige Tageszeitung haben die "Salzburger Nachrichten" ausführlich über die Werbesendung berichtet. Demnach stellten sich die Spitzenkandidaten hintergründig vor. "Guten Abend, ich bin Peter Pilz, der linkslinke Demagoge im grünen Tarnmäntelchen!" - "Mein Name ist Madeleine Petrovic, und wie Sie sicher aus Film, Funk und Fernsehen wissen, hab ich in den letzten Monaten stark abgenommen!" - "Ich bin Johannes Voggenhuber, von

Beruf doktrinärer Grün-

Ajatollah für Dogmatik, Fundamentalismus und

Humorlosigkeit!" Das alles bezog sich auf mediale

Punzierungen in der heimischen Tagespresse.

Der neue Sozialsprecher Karl Öllinger hatte noch keine Punze; deshalb präsentierte er sich als "anonymer, grüner Basiswappler". Gemeint war: Einer, der wie ein Schmetterling mit den Flügeln hin und her wappelt, aber nichts bewegen kann; einer, der nicht angehört wird, aber die Parteilinie umsetzen muss. Ein typisches Zitat habe ich in der Berichterstattung des "Standard" über die Wahl im Burgenland gefunden: "Am unteren Ende der Wahllisten laufen sich die Basiswappler die Seele aus dem Leib."

Ein anderer Zeitungsartikel zeigt, dass der Ausdruck auch positiv interpretiert werden kann. Demnach hätten wir es mit einem Mann von der Basis zu tun, der alles hinterfragt, dabei immer wieder aneckt und manchmal auch die Parteilinie infrage stellt.

Dritte Station: Thomas Maurer fragen. Der Kabarettist antwortet offenherzig: "Ja, ich war es. Ich habe damals die Texte geschrieben und das Wort Basiswappler erfunden." Gleich im nächsten Atemzug fügt er hinzu: "Heute würde ich das nicht mehr tun. Ich habe mich seither nie wieder für eine Partei engagiert."

Im Jahr 1994 hatte Thomas Maurer keine Bedenken, damals schrieb er sogar dem Grünen-Chef Van der Bellen einen Satz ins Drehbuch. Dieser sollte selbstkritisch eingestehen, dass er aus zwei Gründen für die Grünen ungeeignet ist: "Ich bin Kettenraucher und Wirtschaftsexperte!" Zu dem Statement ist es allerdings nie gekommen. Van der Bellen hat - absichtlich oder unabsichtlich - den Drehtermin verpasst.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Demnächst erscheint im Haymon Taschenbuchverlag sein "Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs".