- © © Susann Städter
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Gut, stimmen wir sie an, diese bekannte Arie aus der Oper "Porgy and Bess": Summertime and the living is easy - der Grill lockt, der Aperol funkelt, die Urlaubsprospekte sind gelesen, die Websites durchgeklickt, das Ziel festgelegt. Heuer soll es Österreich sein, was mit Kindern ein ziemliches Wagnis bedeutet. Wegen des Wetters. Schlechtwetter soll sich ja bisweilen auch hierzulande während des Sommers breitmachen, aber wir sind zuversichtlich. Die starke Sehnsucht der urbanen Familie nach Flora und Fauna, nach dem Duft von frisch gemähtem Gras, nach den Farben, den Bergen, dem See und überhaupt ist schließlich stärker. Draußen, in der Natur, bekommt doch alles eine Heiterkeit. Grün macht glücklich, sagen sogar Therapeuten. "Sonnenschein ist köstlich", sagte seinerzeit der englische Schriftsteller und Kunsthistoriker John Ruskin, "Regen erfrischend, Wind fordert heraus, Schnee macht fröhlich; im Grunde gibt es kein schlechtes Wetter, nur verschiedene Arten von gutem Wetter." Ob man im 19. Jahrhundert da auch an Urlaub mit Kindern dachte?

Beim Aufwachen klatscht der Regen an die Fensterscheibe. Statisch hängt der graue Himmel über den Bergen; "hier ändert sich heute nichts mehr", sagt die Trafikantin mit fast fröhlicher Miene. Man würde sich gern noch einmal zurücklegen, weil es offenbar keine Eile hat mit dem Aufstehen. Und in der Zeitung schmökern. Aber Kinder fordern ihre Rechte. Steht ihr denn nicht auf? Es regnet. Na und? Was machen wir heute, fragen sie erwartungsfroh. Die Badetücher werden wir wohl nicht brauchen, antworte ich trocken.

Österreich im Sommer - das kann wettermäßig alles bedeuten: intensive Sonnenbestrahlung und kräftige Regenschauer, weiße Schönwetterwölkchen und tiefgrauen Himmel, einschläfernde Windstille und stürmisches Aufbrausen, wohliges Sonnenbaden und belebende Regenspaziergänge. Vier, fünf schwül heiße Tage und dann Regen, Wolken und Gewitter. Eigentlich abwechslungsreich, im Urlaub allerdings eine tägliche Herausforderung.

"Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung", heißt es ja bekanntlich, aber wer mag das schon hören, wenn der Himmel gerade seine Schleusen öffnet? Wir starten zu einem Besuch ins Heimatmuseum, das wir unter normalen Umständen niemals aufgesucht hätten. Die Kinder genießen den Weg weit mehr als das Ziel, hüpfen in bunten Gummistiefeln und gelben Regenjacken durch aufgeweichte Wiesen und matschige Feldwege. Wir sind ähnlich gewandet und trotten mit halbfröhlichen Gesichtern hintennach. Urlaubsromantik sieht anders aus. Oder? Wenn wir so weitermachen mit unserer Einfalls- und Lustlosigkeit, landen wir noch in einer Wirtsstube vorm Fernseher. Oder, noch schlimmer, auf der Hotel-Bettkante. Und fangen vielleicht zu rechnen an, was uns so ein vertaner Regentag kostet. Mit dem Ergebnis, dass alle gereizt sind und der Erkenntnis, dass Österreich kein Urlaubsland ist.

Also schnell her mit dem druckfrischen Freizeitführer mit dem Titel "Was machen wir heute?". Der Klappentext klingt vielversprechend: "Ob Wochenende oder Ferien, ob Sonne oder Regen, in dem neuen Freizeitführer finden Eltern garantiert eine Antwort."

Bücher vorlesen, lautet eine der Ideen. "Mit Wasserfarben malen, den höchsten Turm aus Duplosteinen bauen", finden wir weniger günstig. Wir haben weder Wasserfarben noch Duplosteine im Gepäck. "Ein Regenpicknick im Hotelzimmer" mögen wahrscheinlich die Zimmermädchen nicht. "Kneten, Indoorspielplatz, mit anderen Kindern/Eltern treffen", sind weitere Ratschläge. "Eine Höhle unterm Hotelzimmertisch bauen" fänden wir noch halblustig, "Enten füttern, Tiere im Zoo-Geschäft ansehen" wäre eine Möglichkeit, gäbe es Enten und ein Geschäft.

Also weiter raunzen? Moment einmal. 40 Grad im türkischen Schatten, so man ihn findet, bei rationiertem Duschwasser, so es fließt, sind ja auch nicht die pure Erholung. Und bei dem verrückten Wetter heutzutage gibt es ja auch in Jesolo und Palma immer öfter verregnete Urlaubstage. Also was tun bei heftigem Wind, Regen und Wolken am Himmel? Humor beweisen, Ideen entwickeln. Bei Schönwetter kann jeder lustig sein - wir sinds auch bei Regen.

In besagter Kleidung, ergänzt um ein paar warme Pullover, stiefeln wir los, treffen unterwegs auf ein paar andere mutige Eltern, die ihre Kinder ebenfalls zum Regenpfützen-Hüpfen ausführen. Staunend beobachten wir, wie beglückt Stadtkinder die regennasse Natur wahrnehmen; wie plötzlich Wassertropfen, die auf Grashalmen entlangperlen, zum spannenden Ereignis werden; wie Kühe, die sich unter schützende Bäume stellen, um in Ruhe weiterzugrasen, Beachtung finden; wie Regen, der auf Feldwegen niederprasselt, aber kaum seinen Weg durch den dichten Wald schafft, einer kindgerechten Erklärung ökologischer Gegebenheiten bedarf - das fasziniert. Warum werden die meisten von uns später so achtlos im Umgang mit der Natur? Warum verlieren wir diese kindliche Begeisterung?