"WZ"-Leser Heinz-Dieter Pohl schreibt: "Ein häufiger Fehler, der mir in letzter Zeit auffällt: die Verwechslung von ,der Schild und ,das Schild, die auch verschiedene Plurale haben: Schilde und ,Schilder. Wenn also die Polizei gegen Randalierer mit Schutzschildern ausgerüstet ist, hat sie wohl kein Schild mit der Aufschrift ,Bitte nicht angreifen! auf ihrer Uniform, sondern einen Schild zum Schutz gegen Steine, Flaschen und dergleichen."

Ich bedanke mich für diesen Hinweis. Eine Internetrecherche zeigt, dass auch in anderen Zusammenhängen "Schutzschilde" zu "Schutzschildern" werden. So stand in Tageszeitungen, dass Gaddafi "Häftlinge als menschliche Schutzschilder" gegen Angriffe der Nato-Truppen verwendet. Außerdem wurde berichtet, dass Kosmonauten an ihrer Raumstation "Schutzschilder gegen Weltraumschrott" angebracht haben. Und wie oft konnten wir lesen, dass "das Hitzeschild" des Space Shuttles beschädigt ist?

Wir sollten die zwei Wörter sauber trennen: "Der Schild" war ursprünglich ein am linken Arm getragener Schutz zur Abwehr von Hieben und Stichen, also ein Kriegsgerät. "Das Schild" ist hingegen eine Tafel, eine Platte, eine Vignette mit einer Aufschrift; auch das Straßenschild gehört hierher.

Ein Blick in die Geschichte des Wortes zeigt, wie das Problem entstanden ist. Am Anfang gab es nur das Maskulinum "der Schild". Es geht auf mittelhochdeutsch schilt und althochdeutsch scilt zurück. Ähnliche Wörter existieren in anderen germanischen Sprachen, auch im Englischen. Die ursprüngliche Bedeutung war: Abgespaltenes. Die Schilde der Germanen wurden nämlich aus mehreren Holzbrettern zusammengebaut. Das Wort wird wie folgt abgewandelt: der Schild, des Schilds oder des Schildes, dem Schild, den Schild. Und im Plural die Schilde, der Schilde, den Schilden(!), die Schilde. Wichtig ist in der Mehrzahl das -n im 3. Fall. Es wird oft vergessen.

Vor allem im Norden und in der Mitte des deutschen Sprachraums - ganz besonders in Sachsen - hat man das Wort im Sinn von "Schutzschild" oft auch als Neutrum verwendet: das Schild, des Schilds, dem Schild, das Schild. Und im Plural: die Schilder, der Schilder, den Schildern, die Schilder. Selbst bei den Klassikern liest man es so. "Da wir dir standen wie Mauern, auffingen wie Schilder die Hiebe, die deinem Leben galten." Das ist ein Satz aus Schillers "Räuber". Belege eines Neutrums finden sich auch bei Goethe, Kleist und Lessing. Im Süden des Sprachraums hat man an der maskulinen Form festgehalten.

Erst im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts ist es zu einer Differenzierung des grammatischen Geschlechts nach der Bedeutung gekommen. Die Schutzschilde der Ritter waren oft mit Wappen versehen, solche Wappen fanden sich auch auf schildförmigen Abzeichen, die als Schmuck dienten. Zunftgenossen hingen kleine Schilde mit ihrem Namen an den Zunftkannen oder sonstwo in der Zunftstube auf. Aus dem Kriegsgerät wurde eine Art Kennzeichen. Vermutlich lag es auf der Hand, für die neue Verwendung ein Neutrum zu kreieren: das Schild. Seither unterscheidet man zwischen dem Maskulinum "der Schild", wenn es um einen Schutz zur Abwehr von einer Gefahr geht, und dem Neutrum "das Schild", wenn eine Tafel mit einer Aufschrift gemeint ist.

Und es bringt heutzutage gar nichts, wenn man sich auf Schiller, Goethe, Kleist oder Lessing beruft.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zuletzt: "Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs".