Auf diesem Planeten sind wir nicht die einzige Spezies, die sich rasant vermehrt. Auch die Roboter breiten sich aus. Jedes Jahr werden doppelt so viele gemacht wie im Jahr davor. Es gibt nun 8,6 Millionen von ihnen, also etwas mehr als Österreicher.

Sie sind gut integriert. Alle haben einen Arbeitsplatz. Eine Million werkt als Industrieroboter in Fabriken. Sieben Millionen sind im Service tätig, saugen Staub oder melken Kühe. Das sind die, die man sehen kann. Die, die Autos einparken und Flugzeuge steuern, sind da noch gar nicht mitgezählt. Man weiß natürlich auch nicht, wie viele Roboter beim Militär Dienst tun.

Man weiß vor allem nicht, wozu Roboter fähig sind. Vor kurzem prämierte die Association for the Advancement of Artificial Intelligence (AAAI) einen Film, der von der EU gesponserte Schwarmroboter zeigt: Man sieht drei etwa kniehohe Typen, die auf Aufträge warten. Haben sie einen, dann fliegt der erste, ein Hubschrauber, durch die Räume und erkundet, was es so gibt. Der Transporter fährt ihm nach und nimmt den Greifer mit. Der Greifer klettert an Regalen hoch und nimmt sich, was immer der Erbauer der illus-tren Runde will. Im Film war es ein Buch. Es könnte natürlich auch eine Schmuckdose, Bargeld oder eine Kreditkarte sein. Wenn dieses Beispiel einer minimalinvasiven Form des Einbruchs Schule macht, wird im Bereich der organisierten Kriminalität kein Stein auf dem anderen bleiben.

Schon fordern Rechtsphilosophen ein Strafrecht für Roboter. Ist der Roboter schuldig, wird er umprogrammiert. Oder verschrottet, falls sich eine Law & Order-Fraktion konstituiert. Vor allem aber setzt sich langsam die Einsicht durch, dass man es juristisch eindeutig mit Personen zu tun hat. Personen sollten versichert sein. Das ist eine der Forderungen der "Forschungsstelle Robotrecht" an der Universität Würzburg, die darauf hinweist, dass die Gesellschaft auf das massenhafte Auftauchen von Robotern noch nicht wirklich vorbereitet ist.

Der Roboter der Zukunft wird prinzipiell unfertig ausgeliefert, er soll lernen. Was sich dann in seinen neuronalen Netzen fängt und was durchrutscht, vermag niemand mit letzter Sicherheit zu sagen. Es steht aber zu befürchten, dass es die österreichischen Handwerker in einem geflügelten Wort bereits vorweggenommen haben: "Passt" (gesprochen: "Paaaast"). Es bedeutet, dass ein Stand der Dinge erreicht ist, der gerade noch ohne Schamröte vertretbar erscheint, aber mit einem gewissen Restrisiko behaftet ist.

Das Dilemma der Technik schlechthin ist damit beschrieben. Sie muss preiswert sein, deshalb darf sie nie besser werden als gut genug. Teile müssen weggelassen, Funktionen begradigt und Anwendungsfälle ausgeschlossen werden. Die entsprechenden i-Words lauten Indolenz, Ignoranz und Indifferenz. So gesehen sind Roboter wie Brüder.