Wer dieser Tage in die deutsche Hauptstadt reist, kann im Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel etwas ganz Besonderes erleben: Eine große Sonderausstellung widmet sich der Baugeschichte der kleinasiatischen Metropole Pergamon. Dazu wird eine eindrucksvolle, vom Künstler Yadegar Asisi gestaltete Panoramaansicht der Stadt zu Zeiten der Römer geboten.

Pergamon war wohl schon früh besiedelt, seine große Zeit begann aber erst im 3. Jh. v. Chr., unter der Dynastie der Attaliden. Diese dehnten ihren Herrschaftsbereich aggressiv aus und schmückten die Stadt selbst mit immer prachtvolleren Bauten, um sie zu einem "zweiten Athen" zu machen. Die pergamenischen Herrscher errichteten eine ganze Reihe von Monumentalbauten, allen voran den sogenannten Pergamonaltar. Dieser gewaltige Opferaltar, dessen Fries sich heute im Berliner Pergamonmuseum befindet, war wohl den Göttern Zeus und Athena geweiht; der umlaufende Fries zeigt den Kampf der griechischen Götter gegen die Giganten.

Große Bedeutung hatte auch der Kult des Heilgottes Asklepios. Ihm errichteten die Pergamener einen riesigen Tempelkomplex, der zu einer der wichtigsten Heilstätten Kleinasiens avancierte. Kranke aus der ganzen griechischen Welt pilgerten an diesen Ort, um bei den Priestern des Heilgottes Hilfe zu suchen.

Um etwa 200 v. Chr. gründeten die Herrscher von Pergamon eine Bibliothek, die nach jener von Alexandria die zweitwichtigste der Antike wurde. Wo diese Wissensstätte lag, ist nicht mehr eindeutig feststellbar, möglicherweise im Heiligtum der antiken Weisheitsgöttin Athena. Die Bibliothek umfasste eine gewaltige Menge an Schriftrollen zu den unterschiedlichsten Wissensgebieten.

Gut erhalten ist indes das große Theater von Pergamon, das in 78 Sitzreihen 10.000 Besuchern Platz bot, und von wo man freien Blick auf das Heiligtum des Dionysos, Schutzpatron des Theaterwesens, hatte.

Am Südhang des Burgberges, der Akropolis, stand ein ausgedehntes Gymnasion mit diversen Einrichtungen zur körperlichen Ertüchtigung. Die Römer bauten später sogar eine Therme an. Das nötige Wasser wurde durch insgesamt neun Fernwasserleitungen in die Stadt geleitet, daneben sorgten Zisternen für die Wasserversorgung der Bevölkerung.

Seine zweite große Blütezeit erlebte Pergamon unter den römischen Kaisern Trajan und Hadrian. Diese ließen ein eigenes römisches Viertel errichten und verliehen der Stadt den Ehrentitel "Metropolis". Mit rund 200.000 Einwohnern war Pergamon damals eine der bedeutendsten Städte im Osten des Römischen Reiches - eine Größe, die sie später nie wieder erreichen sollte.

Mario Rausch, geboren 1970, studierte Klassische Archäologie und Alte Geschichte und lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.