Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".
Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Die gute Nachricht voraus: Viele Fernsehanstalten - in Österreich insbesondere ORF und Servus TV - bieten dem Publikum regelmäßigen Zugang zur Wissenschaft. Ob es nun die Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, die Entschlüsselung der Maya-Schrift oder Einsteins Raumzeitkontinuum sind: Es ist beeindruckend, was geboten wird, erst recht dann, wenn man an die allerersten und ausschließlich auf das Radio begrenzten Versuche denkt, Wissenschaft durch das jeweils modernste Kommunikationsmittel zu popularisieren. "Schulfunk" hieß eine dieser steinzeitlichen Sendereihen, die den Lehrstoff mehr dürftig als wirksam ergänzte.

Die Attraktivität der Wissenschaftsangebote liegt darin, dass optische Darstellungskunst das Verständnis erleichtert und so anregend wirken will wie ein lebensfroher Spielfilm. In diesem Bemühen bohrt zugleich der Wurm. Optik, Farbenrausch und Computeranimation beginnen den Inhalt zu überlegen, manchmal ersetzen sie ihn sogar. Mitunter wirken die Szenen wie aus einem alten Zeichentrickfilm. Disneyland erobert Science. Wenn Ägypter Pyramiden bauen, sieht man sinnlos buddelnde, grabende, auf Steine hämmernde Figuren, statt dass versucht würde, die Geheimnisse der Bautechnik zu enthüllen.

Vor allem die hochinteressanten Beiträge aus der Kosmologie bersten vor Computeranimationen, die keine Grenze zwischen Fantasie und Abbildung realer Himmelskörper und -ereignisse ziehen. Sonnen explodieren oder vergammeln zu "Roten Riesen" oder schicken ihren Teilchenschauer auf uns herab. Man glaubt phasenweise, "Star Wars" und "Atavar" dringen im wissenschaftlichen Mäntelchen ins Wohnzimmer ein. Nordlichter wabern auf der Halbkugel - sind es Aufnahmen oder bloß Lichtkompositionen? Und wenn es Aufnahmen sind, sind die Bewegungen der Irrlichter im Zeitraffer eingefangen oder in echter Geschwindigkeit? Die Zuschauer erfahren es nicht.

Zugegeben, es ist in der Tat eine große Herausforderung, einen Film über Gravitation zu drehen. Wie stellt man wechselseitige Anziehung der Massen dar? Die vom Mond verursachten Gezeiten der Meere lassen sich irgendwie filmen. Wenn aber die Galaxien in Schwung geraten und in möglicherweise Milliarden von Jahren ineinander rasen werden, dann bricht das Fest für Computeranimateure an. Sie sehen sich vermutlich satt an dem, was sie leisten und was ihre Kreativität zustande bringt. Aber die wissenschaftliche Erklärung bleibt hinter dem visuellen Spektakel zurück.

Und wenn doch erklärt wird, dann kommt zumeist die schon rituelle Abfolge von Wissenschaftern des angloamerikanischen Raums, die, wenn sie den Mund öffnen, sofort relativ lieblos in deutscher Übersetzung heruntergehudelt werden. Die im Fernsehen gebotene Populärwissenschaft wird nach dem Gesetz der Serie produziert, zu viel soll sie auch nicht kosten.

Die preisgünstigste Qualitätsverbesserung bestünde darin, bei aussageloser Effekthascherei zu sparen und der Erläuterung, auch wenn diese nicht so attraktiv erscheint, mehr Raum zu geben.