Anhören tut es sich ja wie ein Witz: "He, kennen Sie den? Eine Katze besitzt 18 Krallen!" (Echt? 18? Total abgefahren.) Aber darüber können wahrscheinlich nicht einmal die Mathematiker lachen. 18 dividiert durch vier ergibt halt 4,5. Und wenn so eine simple Rechnung ein Kätzchen überfordert - Pech fürs Katzerl! Also, wie viele Krallen hat die Katze folglich pro Pfote? Viereinhalb, natürlich. Nein, das wär’ doch unnatürlich. Drum sind es vorne je fünf und hinten je vier. (Das find ich jetzt aber schon ein bissl komisch.)

Na ja, zum Glück ist meine Wohnung eine katzenfreie Zone. Sonst würde meine Couch ja dauernd von Freddy Krueger träumen müssen und könnte nimmer aufwachen. Wär’ irgendwann komplett ausgeweidet. Und wenn das Miezekatzi auch noch mein Büchl mit den Sudokus niedermachen würde, wäre das - ein verdammt schlechtes Omen. Mindestens so schlimm, wie wenn eine schwarze Katze über einen Roulettetisch liefe. (Zählt man die Roulettezahlen alle zusammen, von 0 bis 36, kriegt man nämlich am Ende 666 heraus. Immerhin die Lieblingszahl des Teufels.) Und ein Katzenviech, das mit 18 scharfen Krallen über ein wehrloses Sudoku herfällt, das wiederum aus 81 Kastln besteht, gibt einem vermutlich in Gebärdensprache zu verstehen: "Redrum." (Schluss mit lustig.) Auf Deutsch: "Drom." Ein Zitat aus "Shining", diesem Filmklassiker über den "Axe effect". Sprich "äks ifekt". (Die Axt im Haus erspart den Scheidungsanwalt und den Babysitter - und die Urschreitherapie.) Da kritzelt der jenseitssensible kleine Danny mit Lippenstift "Redrum" auf die Tür, und im Spiegel gegenüber enthüllt sich die Botschaft: "Murder!" (Mord!) Ähm, "spiegeln" sich die Katzenkrallen also im Sudoku? Wenn man übrigens neugierig ist, was einem in dieser 396. "Kunstsinnig"- Kolumne noch blüht, tippe man einfach 18 (die Quersumme von 396) in den Taschenrechner ein und halte diesen erwartungsvoll vor einen Spiegel. Aha: 81. Okay, es gibt vielleicht gefährlichere Drohungen. 81 - was soll das überhaupt heißen? Hm. Dass es wieder einmal um die Mona Lisa geht. Das ist ihre Zahl. Übersetzt man ihren Spitznamen ("La Gioconda", die Heitere) ins Mathematische, indem man jedem Buchstaben einen Wert zuordnet (A = 1, B = 2, C = 3 . . .) und alles sauber addiert, macht das in Summe 81. Arme Mona Lisa! Hergerichtet haben sie sie wie einen Zombie. (Zombie: Pietätlose Leiche, die sich selbst exhumiert, die ihre eigene Totenruhe stört.) Gut, sie ist wenigstens ein sympathischer Zombie. Wegen ihrer Panzerglas-Vitrine könnte man sie locker mit der Bianca Neve im Glassarg verwechseln. Mit dem italienischen Schneewittchen. (Obwohl: Die Untote im Louvre ist nicht grad das Weiße vom Schnee. Eher das Gelbe. Hat den Teint einer Pissa Colada.) Ach, lass ich deshalb bei jedem Sudoku das 81. Kastl leer? Aus Mitgefühl? Sind das quasi lauter Mona Lisas ohne Lächeln? Schmarrn! Das Kastl bleibt weiß, weil es eh nur noch eine Formalität wäre, es auszufüllen. Völlig witzlos. Und wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mich wochenlang mit einem 1000-teiligen Puzzle abgfretten und dann das letzte Teilchen triumphierend beim Klo runterspülen. Ja, ja, die Spülung predigen und - jetzt feig einen Punkt am Ende von diesem Satz machen.