Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".
Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Die Verlagsgruppe News, die unter dem deutschen Mehrheitseigentümer Gruner+Jahr in Österreich 15 in jeder Weise bunte Zeitschriften vertreibt, ist unter mehreren Gesichtspunkten ein Phänomen. Die bewegte Gründungsgeschichte wäre zu nennen, die seltsame Eigentümerverflechtung bis zu "Kurier", Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien und dem Zeitungsmacher Wolfgang Fellner, und wohl auch das Verlagskonzept. Denn die Magazine wie "News", "Woman", "trend", "profil" "format" "tv-media", "e-media" und so fort decken die unter allen Österreichern zu konstruierenden Zielgruppen ab. Und sollte sich ein Österreicher in dem Zeitschriften-Bauchladen noch immer nicht angesprochen fühlen, so kann er zumindest bei "News Leben" nicht mehr aus, denn leben wollen alle.

Der Newsverlag macht damit Auflage und Gewinn. Den besten Ertrag wirft übrigens "Woman" ab, das so wie die meisten Frauenmagazine des In- und Auslands von einer singulären Gesetzmäßigkeit profitiert: Die in ihnen enthaltene Werbung für Mode, Schönheit und Anti-Aging wird vom weiblichen Publikum fast zeitgleich in Konsum der angepriesenen Mittel umgewandelt, was die Werbeeinnahmen solcher Zeitschriften ins nahezu Unermessliche steigert.

In den vergangenen paar Jahren ließ die Auflagenentwicklung nach, insbesondere auch beim Firmenflaggschiff "News". Den Verlagsmanagern machte das Sorgen, den Eigentümern auch. Seit 2010 verbrauchte der Verlag zwei Vorstandsvorsitzende und einen interimistischen Chef, seit September wird ein neuer CEO ausprobiert. Axel Bogocz, der in Deutschland bei der "Bunten" und der Jugendzeitschrift "Bravo" tätig gewesen war, ist Geschäftsführer.

Eine seiner ersten Aktionen ließ die Branche aufhorchen. Er gab bekannt, dass der Newsverlag seit Jahren frisierte, also gefälschte Auflagenzahlen an die "Österreichische Auflagenkontrolle" (ÖAK) gemeldet hatte. Dass Medienhäuser ihre Auflagen mitunter zu positiv darstellen, soll schon öfter vorgekommen sein, nicht aber, dass ein Verlagschef verkündet: "Wir bringen Klarheit ins Zahlenwerk, arbeiten die Vergangenheit auf."

Wer der systematische Fälscher war und in welcher Funktion, wird nicht mitgeteilt, er befindet sich aber garantiert nicht mehr auf der Soldliste des Verlagshauses. Am heutigen Donnerstag schlägt der Tag der Wahrheit. Die ÖAK wird revidierte Auflagenzahlen für zehn der 15 Newsprodukte veröffentlichen, und zwar bis auf das zweite Halbjahr 2010 zurück, in dem noch Bogocz Vor-Vorgänger Oliver Voigt Verlagschef gewesen war.

Die Auflagenzahlen, die ohnedies schon zu wünschen übrig ließen, werden also noch bescheidener wirken. Es war halt nicht mehr. Bogocz verordnet seinem Verlagshaus eine drastische Kur. Aber auch diese Wahrheit gehört zur Fälschungsgeschichte: Wenn Bogocz sich anstrengt und keine Fehler macht, müsste es mit den Erfolgsziffern ab sofort wieder aufwärts gehen. Das passiert nämlich fast immer, wenn man genügend weit unten anfängt zu zählen.