Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am
Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Unlängst ist mir eine Broschüre der jungen Grünen zugetragen worden. Sie trägt den Titel "Deutsche Sprache - Männersprache?" Im Untertitel heißt es: "Nicht mit dir, nicht mit mir, nicht mit uns!"

In der Analyse bin ich mit den grünen Feministinnen einer Meinung. Viele der herkömmlichen Formulierungen laufen darauf hinaus, dass das Männliche als etwas Ursprüngliches und das Weibliche als etwas Abgeleitetes aufgefasst wird. Es heißt "der Student", davon wird "die Studentin" gebildet.

Nicht nachvollziehen kann ich das Argument, dass wir bei den Pluralformen zwangsläufig nur die Männer gedanklich vor uns sehen. "Studenten haben es heute schwerer als vor 40 Jahren." Da wird jeder an die Gesamtheit der Studenten denken, an männliche und an weibliche. Das Beispiel in der GRAS-Broschüre ist hingegen manipulativ: "Mechaniker reparieren Autos." In diesem Fall haben wir deshalb das Bild von Männern im Kopf, weil der Beruf von Frauen kaum ausgeübt wird. Ich bedaure das. Wahrscheinlich würde eine Mechanikerin mit meinem Oldtimer liebevoller umgehen als ein Mechaniker.

Formen mit Binnen-I, also StudentInnen, sind nach meinem Gefühl überflüssig und nur mit Krampf einsetzbar. Was soll man von einem Prinzip halten, das in der Schriftform funktioniert, in der gesprochenen Sprache aber nicht? Wie soll man "Studentinnen" - gemeint sind durchwegs weibliche - von "StudentInnen" - das sind weibliche und männliche - auseinanderhalten? Konsequenterweise müsste bei manchen Komposita gleich zwei Mal das Binnen-I zum Zug kommen: BürgerInnenmeisterInnen.

Das Binnen-I funktioniert also nicht, und radikale Feministinnen lehnen es ohnedies ab, weil sie darin eine Fortsetzung des Prinzips sehen, dass weibliche Wortformen von männlichen abgeleitet werden.

Eine fragwürdige Alternative sind Konstruktionen mit dem Partizip der Gegenwart: "die Lehrenden und Lernenden" statt "die Lehrer und Schüler". Wenn ich von den "Lernenden" höre oder lese, dann muss ich im Geist übersetzen: Aha, das sind die Schüler! Außerdem haben die Partizipien der Gegenwart eine andere Funktion. Sie drücken aus, dass eine Tätigkeit gerade im Gange ist. Einfach erklärt: Während der Sommerferien sind die Lehrer zwar weiterhin Lehrer, aber nicht Lehrende.

In einem anderen Punkt gebe ich der GRAS recht. Dass Wörter wie "jemand", "niemand", "irgendwer" und so weiter nach den Regeln der Grammatik mit dem männlichen Relativpronomen "der" fortgesetzt werden müssen, ist ein Zeichen für die patriarchalische Struktur unserer Sprache. Nehmen wir an, Ärztinnen, also Frauen, treffen sich bei einem Kongress. Die Vorsitzende sagt: "Ich suche jemanden, der das Protokoll verfasst!" Warum muss es "der" heißen, wenn Frauen angesprochen sind? Die GRAS schlägt in diesem Fall vor: "Ich suche jemanden, die das Protokoll verfasst!"

Solche Formulierungen sind allerdings nur dazu da, Diskussionen auszulösen. Mehrheitsfähig sind sie genauso wenig wie das Binnen-I.