Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am
Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Es gibt wenig Organisationen, die mit so wenig Pomp und Trara so viel Gutes tun wie das Österreich-Institut. Es begann im Jahr 1996, da haben SPÖ und ÖVP das Österreich-Institutsgesetz beschlossen.

Ziel war es, die bis dahin eher nebenher und dezentral betriebenen Sprachkurse an den Botschaften und Konsulaten durch Ausgliederung in eine GmbH zusammenzuführen und zu professionalisieren.

Die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war gerade reif für ein derartiges Vorhaben.

Hier geht es also um Außenkulturpolitik, und diese ist auch Sprachenpolitik. Mit den Deutschkursen im Ausland trägt das Österreich-Institut dazu bei, dass die deutsche Sprache österreichischer Prägung als wichtiges Kulturgut vermittelt wird. Dazu kommt noch eine Umwegrentabilität. Für jeden Euro, der in das Österreich-Institut investiert wird, fließen etwas mehr als zwei Euro zurück. Der Germanist und Universitätsprofessor Hans-Jürgen Krumm bezeichnete dies bei einem Festakt aus Anlass des 15-jährigen Bestehens als den Cadolzburg-Effekt.

Cadolzburg ist eine kleine Provinzstadt in der Nähe von Nürnberg, mit Schloss, Altstadt, Markt und Apotheke. Der Ort war Hauptschauplatz in den Lektionen von "Vorwärts International", einem in Großbritannien entwickelten Deutschlehrwerk, das zwischen 1970 und 1990 in deutschen Auslandsschulen Verwendung fand und dem Ort einen ungeahnten Touristenzustrom bescherte.

Die Schülerinnen und Schüler wollten, wenn sie schon einmal eine Reise auf den Kontinent unternahmen, mit ihren Eltern unbedingt dorthin - und sie wollten sogar in jener Apotheke einkaufen, die in diesem Lehrwerk eine Rolle spielt.

Ich möchte der bescheiden auftretenden Geschäftsführerin Brigitte Ortner Rosen streuen. Sie hat ein System von didaktisch-professionellen Kursen aufgebaut - und sie tritt nun nach 15 Jahren erfolgreicher Tätigkeit in den Ruhestand. Gleichzeitig hat sie äußerst sparsam gewirtschaftet. Der Bundeszuschuss ist während ihrer Tätigkeit inflationsbereinigt um rund ein Drittel gesunken. Gleichzeitig sind die Leistungen gestiegen. Es gibt heute Filialen in Brünn, Belgrad, Wroclaw, Krakau, Warschau, Budapest, Bratislava, Rom und Laibach.

Wer hier Deutsch lernt, wird später vielleicht ein Freund Österreichs, denn Sprachkenntnisse sind die wichtigste Voraussetzung, sich mit einem Land auseinanderzusetzen. Nach meinem Dafürhalten sind Sprachkurse im Ausland, von Österreichern organisiert und mit österreichischen Inhalten versehen, wichtiger als Auslandsreisen hoch subventionierter Orchester.

Man müsste also der Regierung empfehlen: Investiert etwas mehr in diese Sache. So steht es auch im Regierungsprogramm: "Den Österreich-Instituten kommt eine besondere Bedeutung als Sprachausbildungs- und Integrationsinstrument zu. Deshalb werden ihnen zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, um das Netz dieser Institute auszubauen." Das Versprechen ist bis dato unerfüllt.