Irgendwann vor langer Zeit habe ich schon einmal über Dr. Fox geschrieben. An und für sich neige ich nicht zu Wiederholungen, auch das Alter setzt mir nicht zu, nur eines ist in der Zwischenzeit bzw. in den letzten Tagen geschehen, das damals noch gar nicht möglich war, weil es das Internet noch nicht gab.

Dort nämlich habe ich nun gefunden, was damals nicht zu finden war, ehe es wieder verschwunden ist im Universum der (Stand heute) 665 Millionen Websites. Wer sich also noch erinnert an diese ehemalige Kolumne, soll heute mit eben diesem Fundstück belohnt werden.

Dass ich darauf zurückkomme, liegt aber auch noch an etwas anderem. Es liegt am inflationären Auftreten von Experten, die allesamt tief begründete Ansichten zu allem und jedem von sich geben: zum Rettungsschirm im Allgemeinen, zu Euro Bonds im Speziellen, Pro die einen, Contra die anderen (und dann wieder umgekehrt), Analysen zu Inflation und Deflation, zur Konjunktur in China, zur Energiewende oder zum globalem Klimawandel. Alle reden mit der Inbrunst tiefer Kenntnis in ungezählten Talk Shows, auf Bühnen und an Rednerpulten vor einem jedes Mal wieder überzeugten Publikum.

Deshalb kam mir Dr. Fox in den Sinn, der 1970 ein Fachpublikum mit einem beeindruckenden Vortrag begeisterte: Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten. Fox, so informierte das Programm, gelte als Autorität auf dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches Verhalten. Die Zuhörer waren durchwegs inspiriert, ja, manche meinten sogar, das wäre ganz toll gewesen und sie hätten sowieso schon einige Schriften von Dr. Fox gelesen.

Das aber konnte nicht sein. Denn Dr. Fox war Schauspieler, engagiert von den drei pfiffigen Psychologen Frank Donnelly, Donald Naftulin und John Ware. Sie hatten ihm den Auftrag gegeben, eine Rede zu halten, die keinen Sinn ergeben durfte. In der Diskussion danach sollten Fragen derart konfus beantwortet werden, dass auch hier nachweislich kein Sinn entstehen konnte.

Was überzeugte, waren der Auftritt, die Lässigkeit, mit der Fox zur Fragerunde sein Jackett auszog, die Körperhaltung bei der Beantwortung der Fragen und natürlich der Glaube an die Autorität der als Autorität vorgestellten Person. Mit anderen Worten: Dr. Myron L. Fox war ein Experte. Zwar nicht für das, was er sagte, aber dafür, wie er es sagte.

Wenn Sie sich, verehrte Leserinnen und Leser, ein Bild davon machen wollen, schauen Sie sich dieses Kabinettstück an unter http://ecclesiastes911.net/dr_fox /video.html. Vielleicht hilft es Ihnen, das rhetorische Sensorium für solche Momente zu schulen, in denen Sie wieder einmal einem von diesen Experten gegenüberstehen, die einen irgendwie in den Bann schlagen, aber doch das Gefühl zurücklassen, es sei vielleicht nicht alles, ja manchmal, es sei gar nichts gesagt.

Holger Rust,geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.