Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Aber, ganz ehrlich, müssen sich nicht auch die Olympischen Spiele in Zeiten der um sich greifenden Mir-san-Mir-Schrebergarten-Mentalität verändern? Ja! Es ist an der Zeit, eine Re-Nationalisierung der Spiele voranzutreiben. Vielleicht sogar eine Lokalisierung. Eine Privatisierung!

Warum sollte zum Beispiel die ÖVP nicht mal eine Olympiade bekommen? In der Disziplin verdeckte Parteien-Finanzierung ringt sie mit sich selbst um die Goldmedaille. Nur der ehemalige Kärntner ÖVP-Chef Martinz wird leider disqualifiziert. Denn der hat ja gestanden. Und da hat auch der Chef-Trainer Spindelegger ganz klar gesagt, dass er ein derartiges Fehlverhalten nicht dulde. Geständnisse! Klar, das geht gar nicht.

Man möge sich doch bitte die standhafte Athletin Rauch-Kallat ansehen, die selbst bei größtmöglicher Offensichtlichkeit noch immer alle Korruptionsvorwürfe von sich weist. Ja, hier wird schneller dementiert, als die FPK Geld einstecken kann. Das ist wahrer olympischer Geist!

Auch für olympische Weihen qualifiziert sind zweifelsohne die deutschen Sicherheitsbehörden. In der Disziplin des Staffellaufs der Unwissenheit bestreitet der thüringische Verfassungsschutz, jemals Kenntnisse über die Naziterroristen gehabt zu haben, schreddert ein paar Akten und spielt den Ball an das Bundeskriminalamt in Wiesbaden weiter. Das BKA wiederum sagt, es hätte keinerlei Hinweise auf Nazis gehabt, schreddert ein paar Akten und übergibt an das Landeskriminalamt in Sachsen. Das LKA sagt... gar nichts, schreddert und gibt weiter an den Bundesverfassungsschutz. Der schreddert und passt zurück zu den Kollegen in Thüringen. Die dabei anfallenden Papierschnipseln kann man für die Abschlussfeier als Konfetti benutzen, wo alle "Glücklich ist, wer vergisst..." singen und V-Männer die Goldmedaille schreddern. Damit keiner weiß, dass sie dabei waren.

Wo wir schon bei Schusswaffen sind, wie wäre es mit dem amerikanischen Zweikampf: Startschuss im Kino. Dann so schnell wie möglich Waffen kaufen und die Medien für die Gewalt verantwortlich machen.

Sollten die Spiele aber international bleiben, dann bitte updaten mit dem: europäischen Finanzhürdenlauf.

Die Banken rennen blind los und verspekulieren sich. In der zweiten Runde werden sie vom Staat gerettet. Daraufhin gehen die Staaten in der dritten Runde fast pleite. Die Banken müssen dann in der vierten Runde jede mögliche Finanztransaktionssteuer überspringen und den Staaten drohen, dass sie kein Geld bekommen. Fünfte Runde: Die Staaten sparen beim Steuerzahler, weil der ja das Geld hergegeben hat, mit dem die Banken gerettet worden sind, und beschneiden die Rechte der - nein, nicht der Banken, genau: der Arbeitnehmer. Dann endlich die letzte Runde: Die Banken machen wieder fette Gewinne und der Südeuropäer ist an allem schuld. Ziel!

Das ist doch der olympische Gedanke in seiner reinsten Form: die Umverteilung des Geldes der Allgemeinheit in die Taschen von ein paar wenigen. Und da dabei sein ist einfach alles! Stimmt’s, IOC?