Glauben Sie eigentlich, dass Journalismus ein kreativer Beruf ist? Ein Beruf, in dem es darum geht, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen und dann in einem kreativen Schub daraus einen (brillanten) Artikel zu produzieren? Also etwas, das Computer nicht können?

Schön wäre es. (Seufz!) In den USA arbeitet bereits seit einigen Jahren eine Software mit dem Namen "Narrative Science" und diese Software schreibt allen Ernstes Artikel, und zwar alle dreißig Sekunden einen. Im "Forbe’s Magazin" hat sie sogar eine eigene Kolumne. Sie greift auf eine Datenbank zu, zieht Fakten heraus und baut darum einen leicht verständlichen Text. Sport und Finanznachrichten sind ihre Lieblingsgebiete. So äußert sie sich dieser Tage zum Beispiel besorgt über die Firma "Advanced Auto Parts", weil sich die Quartalszahlen im August verschlechtert hätten, empfiehlt aber den Anlegern trotzdem, die Titel zu halten, "to stand pat", wie es im Original wörtlich heißt, eine Formulierung, die im Englischen ausgesprochen selten ist.

Aber, sagen Fachleute, es fehle der Software an Emotion, wie Sie sie hier in dieser Bio-Kolumne finden, das Leidenschaftliche, wie es nur von einem echt biologischen Autor kommen kann, wie ich einer bin (wenn man von den paar Zahnplomben einmal absieht). Da sehen Sie also, was Sie an mir haben.

Artikel erschienen am 17. August 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3