Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Mit Partynamen wie "Zeig der Zilli deinen Willi" oder "Huschi Wuschi mit der Uschi" wollte eine Event-Agentur das Publikum in die Gösser-Fan-Arena locken. Der mediale Wirbel war gewaltig, die Bierbrauer zogen rasch den Schwanz ein. "Es lag uns fern, mit diesen Partynamen zu polarisieren, und es tut uns außerordentlich leid, wenn hier ein falsches Bild entstanden ist. Die Namen der Themen-Events haben wir natürlich mit sofortiger Wirkung entfernt."

Doch die Event-Agentur goss Öl ins Feuer. Sie fand für den Spruch "Zeig der Zilli Deinen Willi" eine originelle Deutung. "Seit Jahrzehnten wird in den österreichischen Skigebieten Williams mit Birne getrunken; die Abkürzung hierfür ist kurz und bündig ,Willi‘." Dieser Willi sei gemeint gewesen. "Wenn Sie etwas anderes hineininterpretieren, haben wir das nicht zu verantworten."

Wieder einmal geht es um das alte Thema: Es kommt nicht nur darauf an, was man sagt, sondern auch, wo man es sagt. Auf einer Skihütte mag das zweideutige "Zeig der Zilli Deinen Willi" bei einem Teil des Publikums gut ankommen. Dort dröhnt ja sogar das eindeutige "Zipfl eini, Zipfl aussi . . ." aus den Lautsprechern. In einer 2000 Menschen fassenden Fan-Arena und während einer Skiweltmeisterschaft wirken hingegen derartige Hüttengaudi-Sprüche weniger gut. Sie sind Stoff für hämische Kommentare in der in- und ausländischen Presse.

Das Wort Willy mit der besagten Bedeutung ist aus dem Englischen entlehnt. Das "Urban Dictionary", ein Internet-Wörterbuch der amerikanischen Alltagssprache, weiß Bescheid: "Willy is a term used in polite conversation instead of penis. It is also a term used by kids." Man könne den Ausdruck auch in Gesellschaft seiner Ehefrau, seiner Mutter oder seiner Großmutter verwenden. "Women use the term in front of males because they dont want to seem slutty by calling it a stonker, a beaver basher, or a tool."

Die Etymologie ist umstritten. Die einen meinen, es könnte sich um eine Verballhornung von membrum virile handeln, ein lateinischer Ausdruck, der im 19. Jahrhundert im Englischen in Gebrauch war. Die anderen sagen, es ist doch bekannt, dass Männer ihrem "kleinen Mann" einen Namen geben - im Englischen peter und dick, im Deutschen Siegfried oder Jürgen. Vor allem im Norden Deutschlands soll vom "steifen Siegfried" die Rede sein, und die Bedeutung der Floskel "den Jürgen würgen" kann sich jeder mit ein wenig Fantasie zusammenreimen.

Aus semantischer Sicht ist also der Ausdruck Willy unproblematisch, vergleichbar mit "Kronjuwelen" oder mit "das beste Stück". Provokant ist die Handlungsaufforderung. Und warum soll Cäcilia einen Wert darauf legen, einen Willy gezeigt zu bekommen? "Lubrici sunt fortunae gressus", schrieb dazu "Die Welt". "Schlüpfrig sind die Wege des Glücks."

Am Montag wurde die Fan-Arena in Schladming abgebaut. Im Jahr 2015 findet die nächste Weltmeisterschaft in Beaver Creek statt. Beaver! Da könnte ja die österreichische Event-Agentur gleich an einem neuen Fan-Konzept basteln.