Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

In den letzten Tagen konnte man in Zeitungskommentaren lesen: Die Politik möge "die Steueroasen trockenlegen". Die Sprachwissenschafter bezeichnen eine derartige Formulierung als Bildbruch. Sie klingt komisch, weil zwei sprachliche Bilder miteinander verknüpft werden, die sinngemäß nicht zusammenpassen. Wer würde allen Ernstes eine Oase trockenlegen und dort mutwillig alles Leben zerstören?

Einen anderen Lapsus hat sich der oberösterreichische SP-Chef Josef Ackerl geleistet. Seine Kritik an Maria Fekter: Anstatt der systematischen Steuerhinterziehung samt Schwarzgeldverschub endlich einen Riegel vorzuschieben, sehe sich die Finanzministerin als Schutzbefohlene von Steuerdieben.

"Schutzbefohlener" ist ein veralteter Ausdruck für Schützling. Die Finanzministerin ist aber nicht ein Schützling der Steuerdiebe, um bei dieser Diktion zu bleiben. Ackerl wollte sagen: Die Finanzministerin hält eine schützende Hand über Steuersünder. Diese sind ihre Schützlinge.

Das Wort "Schwarzgeldverschub" wurde von Ackerl erfunden. Das Verschieben von Geld in eine Steueroase ist kein Verschub. Dieses Wort gehört den Eisenbahnern, sie bezeichnen einen Rangierbahnhof als Verschubbahnhof.

Maria Fekter hat in einer Replik die Meinung vertreten, dass bilaterale Abkommen effektiver seien als "Datenfriedhöfe". Dieses Wort gibt es wirklich. Darunter versteht man große Mengen nutzloser Daten, die jahrelang aufbewahrt werden. Der Ausdruck gehört in die Kategorie "plumpe Propaganda". Warum sollen diese Daten nicht verwendet werden?

Zu einem anderen Thema. "WZ"-Leser Robert J. Wolfgring schickt mir die Kopie eines Schreibens, das er im Jänner an den Wiener Magistratsdirektor gerichtet hat. Er kritisiert darin einen Fehler im Text der Volksbefragung: "Soll die Stadt nach dem Beispiel der Bürger/innen-Solarkraftwerke weitere erneuerbare Energieprojekte entwickeln, die mit finanzieller Beteiligung der Bürger/innen realisiert werden?"

"Erneuerbare Energieprojekte" erinnert an das alte Beispiel einer "reitenden Artilleriekaserne". Um es schnell zu erklären: Das Adjektiv "erneuerbare" bezieht sich auf den zweiten Bestandteil "Projekte", nicht auf den ersten Bestandteil "Energie". Das ist eine Grundregel im Deutschen. Was sind aber erneuerbare Projekte? Über diese haben die Wiener abgestimmt.

Auch "Bürger/innen-Solarkraftwerk" ist eine merkwürdige Wortschöpfung. Es handelt sich um ein Investment in ein Solarkraftwerk, wobei eine fixe Verzinsung zugesagt wird. Damit gehört das Kraftwerk, so wird uns suggeriert, den Bürgern von Wien. Die Form "Bürgerin" ist ein Unsinn. Das "-er" in Bürger geht darauf zurück, dass das Wort im Althochdeutschen ein Kompositum war: Der erste Bestandteil war "Burg", der zweite Bestandteil bedeutete "wehren". Gemeint waren Burgverteidiger. Eine Analogie zu Wortbildungen wie "lehren", "Lehrer" und "Lehrerin" ist nicht gegeben. Die Frauen dieser Stadt können wir ruhigen Gewissens als "Bürger von Wien" bezeichnen.