Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Ein Fernsehbericht über das Buch "Fünfundneunzig Wiener Würstelstände" von Franz Oláh, erschienen im Pustet-Verlag.

Obwohl das Buch viele interessante kulturgeschichtliche Informationen enthält, geht es in der Berichterstattung nur um eines: Der Reporter möchte den Gästen möglichst viele skurrile Ausdrücke des Würstelstandjargons entlocken. Es dauert nicht lange, bis - horribile dictu - der Satz wieder einmal fällt: "A Eitrige mit an Bugl und an Gschissenen." Das soll eine gängige Bestellung beim Würstelstand sein. "Eine Käsekrainer, ein Brotanschnitt und ein süßer Senf."

Ich habe mehrere Male die Meinung vertreten, dass es sich dabei um eine Kunstsprache handelt. Beim Besuch eines Würstelstandes habe ich noch nie diesen Satz gehört. Aber immer wieder lese ich ihn in der Zeitung und höre ich ihn im Fernsehen. Vermutlich deshalb, weil es sich um Tabubrüche handelt, um sprachliche Provokationen.

Immerhin hat mich dieser Beitrag auf die Idee gebracht, mit jener Standlerin Kontakt aufzunehmen, die bei der Buchpräsentation interviewt worden ist. Sie bestätigt mich in meiner Meinung. Außerdem konstatiert sie, dass der echte und alte Würstelstandjargon ausstirbt. Ich frage sie, welche Wörter sie meint. Es sind eher unscheinbare Ausdrücke.

"A Haaße mit an Schoafen - solche Sätze kann man schon noch hören", sagt Christine Palfrader. Gemeint ist eine Burenwurst mit einem scharfen Senf. "Aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand a Eitrige mit an Gschissenen bestellt hätte." Der süße Senf werde in der Wiener Mundart meist der Griaslate genannt. Die Würstelstandbesucher haben also weit mehr Stil, als ihnen allgemein zugetraut wird.

Viele alte Begriffe waren nicht skurril, sondern schlicht und einfach nützlich. So gibt es zwei Arten von Pfefferoni. "Die einen nennt man die Gspitzten - weil sie oben breit sind und unten spitz zulaufen. Diese Pfefferoni sind scharf. Außerdem gibt es die Ölichen - sie sind in Öl eingelegt, länglich und mild."

Frau Palfrader erinnert sich, dass die Kunden früher "a Paarl Glatte" bestellt haben, das waren - es ist leicht zu erraten - ein Paar Frankfurter. Wobei dieses Wort multifunktional war. Denn auch der scharfe Senf wurde als "der Glatte" bezeichnet. Man konnte also sagen: "A Paarl Glatte mit an glatten Senf!" Das klingt stilistisch unelegant, hat aber seinen Zweck erfüllt.

"Bei mir kann man noch a Knia bestellen", offenbart uns Frau Palfrader. "Das ist eine Burenwurst, die in Form einer Meterwurst um eine Stange gelegt wird." Die Wurst kann in beliebiger Länge abgeschnitten werden. Eine normale Portion Burenwurst macht 20 Deka aus. Wer "a Knia" bestellt, bekommt eine extra große Portion von 25 bis 30 Deka - wo die Wurst auf der Stange auflag, hat sie einen Knick, der mit einem menschlichen Knie verglichen wird.

Und wo gibt es noch ein Knie? Am Rautenweg 50 im 22. Bezirk und in Brunn am Gebirge beim Kreisverkehr an der Industriestraße B16. Weitere Details auf der Website www.derwürstelstand.at