Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Vor einiger Zeit haben die EU-Bildungsminister in Bologna den Beschluss gefasst, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Einem Bachelorstudium folgt ein Masterstudium, diesem ein Doktoratsstudium. Das ergibt nicht nur neue Titel, sondern auch neue Abkürzungen: BA für Bachelor, MA oder M. A. für Master. PhD steht für den neuen Doktor.

Ein Wegweiser durch dieses Fachgebiet ist das Buch "Titel in Österreich" von Heinz Kasparovsky, das in einer vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage vorliegt. Es ist im Verlag Austria Standards plus Publishing erschienen.

Ich weiß nicht, ob es schon zum Allgemeinwissen gehört: Die alten Magister-, Diplom- und Doktorgrade sind dem Namen voranzustellen - gemäß § 88 Abs. 2 des Universitätsgesetzes 2002. Die neuen Bachelor-, Master- und PhD-Grade sind ihm nachzustellen. Im Falle der Nachstellung empfiehlt Kasparovsky zwischen dem Familiennamen und dem ersten akademischen Grad einen Beistrich zu setzen, damit nicht der Eindruck entsteht, die nachfolgende Abkürzung sei ein Bestandteil des Familiennamens.

Ehe wir mit Beispielen diese Regeln illustrieren, ein Hinweis auf § 87 Abs. 4 Universitätsgesetz. Es ist zulässig, gleichlautende Grade aus verschiedenen Studien zu führen. Es kann sich ja jemand zwei Mastertitel erwerben, beide kann er verwenden.

Wenn jemand in seinem Studium zunächst den Magister und anschließend den Doktor erworben hat, kann er beide Titel führen. So nebenbei sei noch bemerkt: Der Brauch, einen doppelten Doktor als DDr. zu titulieren, wie das beispielsweise die Medien bei dem legendären Präsidenten der Journalistengewerkschaft Günther Nenning getan haben, ist gesetzlich nicht gedeckt, aus rechtlicher Sicht aber unproblematisch. In Dekreten oder offiziellen Eintragungen sind allerdings ein DDr. oder MMag. nicht gestattet. Die Form Dr. mult. für mehrere Doktorate hat keine gesetzliche Deckung und ist nicht erlaubt.

Nun zu den Beispielen, die das Prinzip veranschaulichen: alte, klassische Titel vor dem Namen - neue Bologna-Titel nach dem Namen. Kasparovsky nennt folgende Beispiele: Mag. phil. Mag. phil. Günther Bachmann, Dr. Dr. Dr. Leopoldine Weissmann, aber Maria Bauer, MA MA und Heinrich Brunner, BSc MSc PhD.

Bei Graden, die aufgrund abgeschlossener Fachhochschul-Diplomstudiengänge verliehen wurden, darf auf keinen Fall der Zusatz (FH) weggelassen werden. Es muss also heißen: Mag. (FH) Gerhard Weiser oder DI (FH) Marianne Ladurner. Ein Fachhochschulabschluss muss von einem Abschluss auf der Uni unterscheidbar sein.

Den viel zitierten Satz "Doktorgrade sind Teil des Namens" entlarvt Kasparovsky als eine Legende. Dieses Prinzip hat nie gegolten und gilt auch heute nicht. Es ist jedem Träger eines akademischen Grades freigestellt, ob er seinen Titel in amtlichen Dokumenten wie Pass oder Führerschein eintragen lässt oder nicht. Dasselbe gilt auch für die Unterschrift auf einem amtlichen Dokument oder einer Zahlungsanweisung.